Sexuelle Belästigung an der Tagesordnung

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Besonders viele Pflegekräfte werden gegen ihren Willen sexuell angesprochen oder angefasst

#Metoo sammelt Erfahrungen von Opfern sexueller Belästigung. (Foto: pexels)

Beim Waschen, Lagern oder Eingeben ist enger Körperkontakt zum Bewohner notwendig. So mancher Alte versteht die Nähe als falsche Vertraulichkeit. Rund 18 Prozent der Frauen in der Pflege wurden schon einmal sexuell angesprochen oder angefasst. Das ist nicht tolerierbar.

Zweideutige Situationen entschärfen

Wird getätschelt oder geflirtet, sollte die Pflegerin nicht darauf eingehen. Peinlich berührtes Kichern hilft hier nicht weiter. Auch ignorieren hat bisher kaum gefruchtet. Klare Kante zeigt die insbesondere junge Frau, indem sie mit dem Satz „Sie berühren mich auffällig oft“, die Situation beschreibt. Mit „das ist mir unangenehm“, erfährt das Gegenüber, wie dieses Verhalten ankommt. Die eindeutige Aussage „Ich möchte nicht, dass Sie mich anfassen“, fordert schließlich, weitere Übergriffe zu unterlassen. (Quelle: BGW) Eine betroffene Frau sollte außerdem sofort ihren Vorgesetzten informieren. Auf Rechtfertigungen oder Ausreden sollten sich Opfer nicht einlassen. Vielmehr sollten sie die Sätze konsequent und immer wieder wiederholen.

Führungskräfte in der Pflicht

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) macht darauf aufmerksam, dass in ihrer Branche sexuelle Übergriffe alltäglich sind. Laut einer Studie wurden 18 Prozent der weiblichen Pflegekräfte im ambulanten Pflegedienst schon von Patienten belästigt. Hier sind die Führungskräfte gefragt. Laut allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz ist es ihre Pflicht, Mitarbeiter vor sexueller Belästigung zu schützen. Berichte sind immer ernst zu nehmen. Sexuelle Belästigung darf niemals toleriert und heruntergespielt werden.

Opfer haben keine Mitschuld

Ganz unabhängig von Geschlecht (ja, auch Männer werden belästigt!), Kleidung und Verhalten: Kein Mensch hat das Recht einen anderen gegen seinen Willen sexuell zu nötigen. Frauen, denen das passiert, haben keine Mitschuld. Hier ist es wichtig, selbstbewusst mit dem Thema umzugehen und Tabus bewusst zu brechen. Es kann sich nur dann etwas ändern, wenn darüber gesprochen wird.

Schulungen für Mitarbeiter und Chefs

Um solche Situationen direkt entschärfen zu können, sind regelmäßige Schulungen zur Sensibilisierung sinnvoll. Zwar sollten Pfleger die sexuellen Bedürfnisse ihrer Patienten kennen und einordnen können. Für deren Befriedigung sind sie allerdings nicht zuständig. Auch Sensibilisierungsgespräche mit den Bewohnern (durch professionelle Therapeuten oder Coaches) können helfen. Falls körperliche Bedürfnisse da sind, die ausgelebt werden wollen, helfen Sexualbegleiter. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gibt wertvolle Tipps für Opfer und Chefs in einer Broschüre.

 


Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Stuttgart. Sie ist für verschiedene überregionale Tageszeitungen tätig, schreibt für Fachmagazine und beschäftigt sich mit den verschiedensten Themen, darunter Personal, Industrie und Logistik.

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