Uli & die Demenz: Mit Gedichten durch den Advent

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Reime raten macht Menschen mit und ohne Demenz Spaß

Mit Reimen bringt man demente Menschen wieder zum Sprechen und auch zum Lachen. (Foto: Pexels)

Frau Stein kann nicht mehr sagen, wer sie ist und wo sie sich befindet. Aber wenn sie Szenen aus „Max und Moritz“ hört, spricht sie plötzlich mit. Demente Menschen kann man oft leicht mit Gedichten abholen. Besonders gut ist, wenn die hinteren Zeilen aus Paarreimen bestehen.

Tipp: Hilfreich ist, wenn Sie das letzte Wort der ersten Zeile betont vorlesen. Und vor dem reimenden Wort der zweiten Zeile machen Sie eine kleine Pause.

Beispiel: „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch

„Max und Moritz machten beide,

als sie lebten, keinem Freude.

Ach, was muss man oft von bösen

Kindern hören oder lesen!

Wie zum Beispiel hier von diesen,

welche Max und Moritz hießen…“

Wie es weitergeht, können Sie hier nachlesen: http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/maxundmoritz/

In meinem Buch „Frau Janzen geht tanzen“ (http://brunnen-verlag.de/frau-janzen-geht-tanzen.html#) habe ich den Anfang des Gedichtes ebenfalls aufgegriffen. Es gibt aber auch schöne Bildbände mit Zeichnungen von den beiden Burschen – daran kann sich so mancher Bewohner im Altenheim noch erinnern…

Auch über Advent und Weihnachten gibt es zahlreiche Gedichte, die Menschen mit Demenz kennen – und schnell erkennen. Hier (http://weihnachten.tagesspiegel.de/klassische-weihnachtsgedichte.html) finden Sie viele Beispiele, die Sie in der Praxis ausprobieren können.

Ich habe einmal versucht, die ganze Weihnachtsgeschichte im Stil von Wilhelm Busch nachzuerzählen. Dazu habe ich mich gefragt: Wie würde es sich bei Wilhelm Busch anhören, wenn Maria und Josef nach Bethlehem wandern, sich in einem Stall einquartieren, dort Jesus zur Welt kommt – und dann noch die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland auftreten.

Herausgekommen ist dabei folgendes Gedicht:

Weihnachten mit dem Esel

Der Esel gähnte um halb acht

und sagte dann noch: „Gute Nacht.“

Er schaute rüber zu der Kuh.

Die gähnte auch und sagte: „Muh.“

Doch plötzlich wurden weide wach:

„Wer macht da draußen so viel Krach?“

Eine Stimme rief mit lautem Schall:

„Meinetwegen! Schlaft ihr halt im Stall.“

Da ging auch schon die Türe auf

und die Geschichte nahm so ihren Lauf

Soweit die erste Hälfte der ersten Strophe. Die zweite Hälfte, sowie die weiteren fünf Strophen finden Sie in meinem Buch „Frau Krause macht Pause“ (http://brunnen-verlag.de/frau-krause-macht-pause.html#)

Viel Spaß beim Vorlesen, Dichten und Ausprobieren!


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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