Uli & die Demenz: Lustige Irrtümer bei Redensarten (1/2)

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Sprichwörter aktivieren – lösen aber auch so manchen Lacher aus

Demente Menschen lachen oft auch über ihre eigenen Versprecher. (Foto: Pexels)

Jeder ist seines Glückes Schmied. Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben. Wer A sagt, muss auch B sagen. Solche Lebensweisheiten sind tief ins Gedächtnis älterer Menschen eingebrannt. Daher benutze ich sie beinahe täglich in der Aktivierung im Altenheim. Manchmal gibt es beim Raten aber auch Verwechslungen. In dieser Kolumne habe ich – quasi als lustiger Adventskalender24 Redewendungen aufgeschrieben, die im Heimalltag verwechselt wurden und ein Lachen auslösten.

Wichtig ist mir aber: Ich möchte damit keinen dementen Menschen auslachen. Ich habe nur solche Verwechslungen aufgeschrieben, über die die Betroffenen selber gelacht haben. Und wo ich davon ausgehe, dass sie es lustig finden würden, wenn sie es hier lesen könnten.

Hier also 24 Versprecher aus der Arbeit mit dementen Menschen. Meistens finde ich die verwechselten Versionen noch besser und lustiger als das Original. Die falsch verwendeten Begriffe sind jeweils hervorgehoben:

(1) Man soll den Morgen nicht vor dem Magen loben.
Richtig wäre natürlich: Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben.

(2) Man soll den Morgen nicht vor dem Atem holen.
Auch hier: Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben.

(3) Die Axt im Haus ersetzt den Fitzelmann.
„Fitzelmann“ habe ich noch nie zuvor gehört. Es wäre der „Zimmermann“, den die Axt ersetzt.

(4) Wenn zwei dasselbe tun, freut sich der Dritte.
Hier hat jemand zwei Redensarten zu einer zusammen gemixt. Und zwar: „Wenn zwei dassselbe tun, ist es noch nicht das Gleiche“ und „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“

(5) Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanken.
Tanzen“ kann man bekanntlich immer nur auf einer Hochzeit.

(6) Man kann nicht auf zwei Hochzeiten heiraten.
Auch hier hieße es eigentlich: Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen.

(7) Zu Berge stehen ihm die Pferde.
Nein. Zu Berge stehen ihm die Haare. Owohl sich „Pferde“ fast reimt auf „Berge“.

(8) Sie schmückt sich mit fremden Haaren.
Auch das stimmt nicht so ganz. Denn sie schmückt sich eigentlich mit fremden Federn.

(9) Wo Licht ist, ist auch Spatten.
Fast. Das gesuchte Wort hört ich so ähnlich an: Wo viel Licht ist, ist auch Schatten.

(10) Das ist das Ende vom Schwanz.
Stimmt nicht. Hier ist etwas anderes zu Ende. Nämlich das Lied.

(11) Mein lieber Freund und Kutschenbecher.
Hört sich lustig an. Aber richtig ist: Mein lieber Freund und Kupferstecher.

(12) Sie kann ihr das Wasser nicht … – Aha. Sie kann das Wasser nicht halten.
Hier wäre natürlich gemeint: Sie kann ihr das Wasser nicht reichen.

Fortsetzung folgt nächste Woche…


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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