Uli & die Demenz: Lustige Irrtümer bei Redensarten (2/2)

5
517

Sprichwörter aktivieren – lösen aber auch manchen Lacher aus

Demente lachen oft auch über ihre eigenen Versprecher. (Foto: Pexels)

Jeder ist seines Glückes Schmied. Man soll den Morgen nicht vor dem Abend loben. Wer A sagt, muss auch B sagen. Solche Lebensweisheiten sind tief ins Gedächtnis älterer Menschen eingebrannt. Daher benutze ich sie beinahe täglich in der Aktivierung im Altenheim. Manchmal gibt es beim Raten aber auch Verwechslungen. In dieser Kolumne habe ich – quasi als lustiger Adventskalender24 Redewendungen aufgeschrieben, die im Heimalltag verwechselt wurden und ein Lachen auslösten.

Wichtig ist mir aber: Ich möchte damit keinen dementen Menschen auslachen. Ich habe nur solche Verwechslungen aufgeschrieben, über die die Betroffenen selber gelacht haben. Und wo ich davon ausgehe, dass sie es lustig finden würden, wenn sie es hier lesen könnten.

Hier also 24 Versprecher aus der Arbeit mit dementen Menschen. Meistens finde ich die verwechselten Versionen noch besser und lustiger als das Original. Die falsch verwendeten Begriffe sind jeweils hervorgehoben:

Hier finden Sie den Link zum ersten Teil der Kolumne aus der letzten Woche: Teil 1

Und hier geht’s weiter:

(12) Sie kann ihr das Wasser nicht … – Aha. Sie kann das Wasser nicht halten.
Hier wäre natürlich gemeint: Sie kann ihr das Wasser nicht reichen.

(13) Besser der Spatz in der Hand als die Katze auf dem Hof.
Eine ganz andere Tierart gehört in diese Redensart. Nämlich die Taube auf dem Dach.

(14) Er trägt seine Frau auf Rädern.
Nein, nicht auf Rädern fährt er sie. Er trägt seine Frau auf Händen.

(15) Sie schlägt sich etwas aus dem Knopf.
Fast. Nur ein Buchstabe müsste anders sein: Sie schlägt sich etwas aus dem Kopf.

(16) Mir platzt der Magen.
Schreckliche Vorstellung, wenn der Magen platzt. In echt heißt diese Redensart eigentlich: Mir platzt der Kragen. Aber auch das ist nicht viel besser…

(17) Ihm sitzt ein Kloß in den Socken.
Da wäre er aber weit runter gerutscht, der Kloß. Denn eigentlich sitzt einem der ja im Hals.

(18) Mir wird es warm im Herbst.
Die Jahreszeit wird hier nicht gesucht, sondern das Organ: Mir wird es warm ums Herz.

(19) Ich glaub, mich trifft der Lappen.
Das mag vorkommen. In der Redensart trifft mich aber der Schlag.

(20) Wie Schuppen aus den Suppen.
Nein, die Schuppen fallen doch aus den Augen

(21) Augen zu und durch die Wand. Oder auch: Augen zu und ruh.
Zu beiden Versprechern heißt die eigentliche Redensart: „Augen zu und durch“. Und dann ist die Redensart auch schon zu Ende – ohne dass jemand durch die Wand muss.

(22) Sie wickelt ihn um den kleinen Wingel.
„Wingel“ ist eine interessante Wortneuschöpfung. Gemeint ist hier der Finger, um den sie ihn wickelt.

(23) Klein, aber groß.
Hier gibt es verschieden Redensarten, die in Frage kommen: „Klein, aber mein“ oder „Klein, aber oho“.

(24) Und, ein Fehler aus meiner eigenen Schreibwerkstatt. In einem Manuskript zu einem meiner Bücher habe ich einen Schreibfehler entdeckt. Und zwar habe ich geschrieben: „Sie krempelt die Arme hoch.“ Natürlich waren die Ärmel gemeint…

Frohe Weihnachten!

 


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

5 KOMMENTARE

  1. Kommentar einer Leserin dieser Kolumne via Facebook:
    “Mein Vater heute:
    Wenn zwei sich streiten, freut sich der VIERTE.”
    Natürlich ist es der DRITTE, der sich dann freut.

  2. Noch ein aktueller Kommentar einer Leserin über Facebook:
    “Mein Vater heute morgen:
    Ohne PREIS keinen FLEIß.”
    Die Redensart funktioniert aber natürlich gerade anders herum:
    “Ohne FLEIß kein PREIS.”

  3. Betreffs Demenz im ambulanten Bereich noch ein Bonbon hätte.
    Der demente Vater ist z. Zeit oft nachtaktiv. Eines Tages findet ihn die Tochter in der Küche. Mit einem Löffel den Inhalt einer Dose Chappi mümmelnd.
    Auf die entsetzte Frage der Tochter,was er denn tue antwortete der Senior begeistert: Endlich moll e Wurscht,die schmeckt:-)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here