Uli & die Demenz: Gemeinsam sind wir stärker

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Experten des Alltags für Menschen mit Demenz

Sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, gibt neue Ideen und hilft den Kontakt zur Außenwelt zu halten. (Foto: Pexels)

Susanne H. erzählt: „Als mein Partner dement wurde, bin ich immer mehr in eine Helfer-Rolle gerutscht.“ Und das kommt oft vor bei Angehörigen. Die Ehefrau wird dement. Der Mann nimmt ihr ab, was er kann. Und der Partner wird immer mehr zum Helfer, der dem Betroffenen das Überleben sichert.

Problem: Pflegende Angehörige sind alleine

Das Problem ist oft: Andere Menschen sind unsicher, wie man mit verwirrten Menschen umgehen kann. Darum ziehen sich demente Menschen und ihre Angehörigen zurück. Der Tagesablauf ist zudem viel zeitaufwendiger. Und es ist fast nicht mehr möglich, Außenkontakte zu halten. Häufig drehen sich Angehörige nur noch um ihr dementes Familienmitglied.

Eine Hilfe: Außenkontakte

Bei einem Vortrag über Demenz waren unter anderem zwei Ehemänner zu Gast. Beide hatten eine Frau mit Demenz. Einer der Ehemänner hat seine Frau zuhause gepflegt. Die Frau des anderen lebte im Altenheim. Und die zwei Männer haben sich nach dem Vortrag noch eine Weile unterhalten. Am Schluss haben sie die Adressen ausgetauscht, um weiter in Kontakt zu bleiben. Sie wollten noch zusammen ein Bier trinken gehen, sich unterhalten und von den Erfahrungen des anderen profitieren.

Die wahren Experten

Dazu möchte ich ermutigen. Sich Rat holen bei anderen Angehörigen. Bei denen, die es wissen. Ich selber merke nämlich: Die wahren Experten sind diejenigen, die selber einen Betroffenen versorgen. Sie wissen am Besten, wie man sich im Alltag arrangiert. Sie wissen, wie sie sich die Wohnung einrichten können, damit diese dementen Menschen gerecht wird – und oft merken sie nach Jahren, wie sie es noch optimaler machen könnten. Durch ihre Praxiserfahrungen sind sie längst zu Meistern des Demenz-Alltags geworden. Und sie geben diese Tipps gerne weiter. Meine Anregung: Reden Sie mit Menschen, die selber betroffen sind. Mit anderen Angehörigen. Mit anderen Pflegekräften. Fragen Sie nach Tipps bei solchen Experten des Alltags. Eine gute Maßnahme dabei kann sein, selbst einmal eine Selbsthilfegruppe zu gründen – und sich gegenseitig weiterzuhelfen.


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.


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