Altenhilfe-Träger verhängt Aufnahmestopp

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Die Mitarbeiter sind eben so wichtig wie die Bewohner, laut Matthias Bär. (Foto: Stuttgarter Zeitung)

Der größte Altenhilfe-Träger im Kreis Göppingen, die diakonische Wilhelmshilfe, hat zum Jahreswechsel einen Aufnahmestopp stationär wie ambulant beschlossen, um die Überlastung ihrer rund 650 Pflegekräfte zu reduzieren und ein politisches Signal zu setzen, dass es so nicht mehr weitergehen könne.

Wir kämpfen weiterhin um qualifizierte Pflegekräfte, werden allerdings ab sofort in unseren Häusern die Bewohnerzahl an die Personalsituation anpassen,“ zitiert die Stuttgarter Zeitung kurz vor Weihnachten den Direktor der Wilhelmspflege, Matthias Bär, die kreisweit rund 1000 Senioren betreut. Auch im ambulanten Bereich gebe es bis auf weiteres einen Aufnahmestopp.

Die Göppinger Diakonie hat zugesagt, im ersten Quartal 2018 diese Grundversorgung sicherzustellen. Finde ich bis April keine neuen Mitarbeiter, so Bär, werde er bestehende Verträge in der ambulanten Versorgung kündigen. Eine Umfrage unter den Mitarbeitern habe ergeben, dass diese arbeiten wollten, wie sie es in der Ausbildung gelernt haben. Und nicht nur ständig „improvisieren und Löcher stopfen.“

Mit 24 Krankheitstagen je Pflegekraft liegt die Wilhelmshilfe zwar im bundesweiten Schnitt, ein Alarmsignal sei diese Krankenstandsquote aber dennoch. Bär begründet die drastische Maßnahme deshalb so: „Unsere Mitarbeiter sind uns ebenso wichtig wie unsere Bewohner.“ Ziel sei es, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben oder wieder zu werden.

Mit Workshops, Schulungen, Qualifizierungen, Ethikberatung, Gesundheitsförderung und interner Konsolidierung will Bär dafür arbeiten, „bis wir wieder auf Kurs sind.“ Ziel sei ja nicht, Pflegeplätze abzubauen, zumal das Unternehmen profitabel arbeiten müsse. Deshalb fordert er, die Pflegeversicherung auf ein Teilkaskomodell umzustellen mit festen und kalkulierbaren Eigenanteilen, damit mehr Geld in das System fließt.

Um den politischen Druck der Branche zu erhöhen, fordert er eine Pflegekammer nach dem Vorbild anderer Berufsgruppen. Auch müsse in der Gesellschaft mehr diskutiert werden, wie man im Alter versorgt und gepflegt werden wolle. Die Fachkräftequote von 50 Prozent abzusenken, sei da kein Weg.


Leonhard Fromm (Jg. 1963) ist Gründer der Pflegebibel. Der Theologe und Wirtschaftsjournalist, der sich vielfach sozial engagiert, schreibt vor allem über Management in der Pflege. Der zweifache Vater interessiert sich für Zahlen, Daten, Fakten: „Verändern kann das System nur, wer seine Spielregeln versteht.“

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Leonhard Fromm (Jg. 1963) ist Gründer der Pflegebibel. Der Theologe und Wirtschaftsjournalist, der sich vielfach sozial engagiert, schreibt vor allem über Management in der Pflege. Der zweifache Vater interessiert sich für Zahlen, Daten, Fakten: „Verändern kann das System nur, wer seine Spielregeln versteht.“

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