Marit mischt Senioren-Residenz auf

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Marit beim Bezug ihrer Wohnung in Konstanz. (Foto: Tertianum / Ulrike Sommer)

Konstanz im September 2017. Die 25-jährige Marit Meinhold bezieht ihre Zwei-Zimmer-Wohnung im Tertianum Konstanz, einer Seniorenresidenz im Herzen der Altstadt.

Die Wohnungsnot für Studenten ist in Konstanz spürbar rund 82.000 Einwohner und fast 17.000 Studenten. Es gibt kaum bezahlbaren Wohnraum. In der Premium Seniorenresidenz war eine Wohnung frei. So war die Idee im Frühjahr 2017 geboren: Im Rahmen eines Mehr-Generationen-Projektes einem Studenten diese Wohnung vermieten und als Gegenleistung keine Miete verlangen, sondern ein kostbares Gut im Gegenzug: 20 Stunden Zeit mit den Bewohnern pro Monat. Es hat auch ein treffenden Titel bekommen: Student in Residence

Eine Fachjury aus zwei Bewohnern, der Direktorin und Vertretern von Stadt und Universität wurde gebildet, um über ein intensives und mehrstufiges Auswahlverfahren den geeigneten Mitbewohner zu ermitteln. Gewählt wurde Marit Meinhold, Lehramtsstudentin (Englisch, Französisch, Geschichte) auf dem Weg zum Staatsexamen.

„Marit hat schnell eine gute Verbindung zu den Bewohnern gefunden“, sagt Direktorin Friederike Cossardeaux nach drei Monaten Praxis. Bereits bei ihrem Einzug hat sich Marit mit den Bewohnern zusammengesetzt, um herauszufinden, womit sie die 20 Stunden gemeinsam verbringen möchten. Herausgekommen sind drei Schwerpunkte Die Bewohner – meist noch sehr selbstständige Senioren in betreuten Wohnungen – wünschen sich Technik-Nachhilfe, Ausflüge zu Ausstellungen und kulturellen Vorstellungen sowie gemeinsam Zeit für Gespräche.

Wie sich die Studentin ihre Zeit einteilt, ist ihr freigestellt. Sie kümmert sich selbst um die Organisation und Durchführung der Aktivitäten. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass sich ein angeregter Generationendialog entwickelt und es nicht zur exklusiven Einzelbetreuung kommt. „Sonst wird es eng mit dem Budget von 20 Stunden “, gibt Cossardeaux zu bedenken.

Das einjährige Projekt bereichert die Bewohner und ist ein klarer Schritt in Richtung Mehr-Generationen-Haus. Für die Bewohner heißt das, dass neben den Mitarbeitern des Tertianum Konstanz vom Hausservice, der Gastronomie bis zur Pflege ein zusätzlicher junger Mensch richtig Schwung in die Bude bringt. Eine Entlastung für die Pflegekräfte stellt das Projekt zwar nicht dar,  aber das war auch nicht Absicht der Aktion.

Zu erwähnen ist, dass das Tertianum Konstanz nicht dem Charakter einer klassischen Seniorenresidenz entspricht, sondern mehr einem „Seniorenhotel“ mit 5 Sterne Service gleicht. Dieser grundsätzliche Ansatz sowie die Idee eines Mehr-Generationen-Hauses, in dem man sich Zeit nimmt für einander, ließe sich sicher auch in anderen Senioren- und Pflegeeinrichtungen umsetzen. Es ist wohl eher die Frage der Umsetzung. Natürlich pflegen im Tertianum ausgebildete Fachkräfte. Bei „Student in Residence“ geht es um einen Weg, bei dem junge Menschen ihren Teil in der Betreuung alter Menschen beitragen und das Pflegepersonal auf sozialer Ebene  unterstützen. Beispiele aus Holland (Humanitas Deventer) oder „Young Residence“ aus den Niederlanden und den USA haben sich bereits bewährt.

Im Tertianum Konstanz sieht man, dass beide Seiten offen aufeinander zugegangen sind und so gern voneinander lernen. Ob das Projekt über das eine Jahr hin fortgeführt wird, steht noch nicht zur Debatte. Es ist ein Pilotprojekt der Tertianum Premium Residences, in dem vielen Erkenntnisse gesammelt werden. Weitere Mehr-Generationen-Projekte auch an den anderen Standorten Berlin und München nicht ausgeschlossen.

Links zum Projekt:
https://www.tertianum.de/studentinresidence
https://www.facebook.com/studentinresidence/

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