Schlagt endlich Profit aus dem Pflegenotstand!

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Ein Kommentar von Christian Hübner

In München werden derzeit schwindelerregende Kopfprämien für Pflegefachkräfte bezahlt. Nahezu zeitgleich fordern Pflegevertreter dazu auf, sich nicht länger unter Wert zu verkaufen. Und die GroKo-Verhandler von CDU, CSU und SPD versprechen Pflegenden höhere Löhne. Es scheint, die mageren Jahre in der Pflege sind endlich vorbei.

Kopfprämien für neue Pflegefachkräfte

Euroscheine
Bild: pixabay.com

Kopfprämien sind in der Pflegebranche längst nichts Neues mehr, doch das städtische Klinikum München schießt nun den Vogel ab. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung werden dort bis zu 8000 Euro für neue Pflegefachkräfte bezahlt. Zwar müssen sich Werber und Geworbener den Betrag teilen, ein stattliches Sümmchen landet am Ende trotzdem auf dem Konto. Hinzu kommen weitere Leistungen, wie günstige Mitarbeiterwohnungen oder bezuschusste Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Nachdem Pflegende in Deutschland seit Menschengedenken über miserable Arbeitsbedingungen, geringe Wertschätzung und schlechte Bezahlung jammern, scheint sich also zumindest in einem Bereich endlich etwas zu tun.

Wertvoller als Gold

Die Arbeit auf Station ist hart, daran ändern auch Kopfprämien und zusätzliche Vergünstigungen nichts. Auch werden mittelmäßige Gehälter nicht über Nacht zu Spitzenverdiensten. Doch der Ansatz geht in die richtige Richtung. Wenn Krankenhaus- und Pflegeheimbetten aufgrund von Personalmangel nicht belegt  oder Aufnahmestopps verhängt werden, sind Pflegefachkräfte wertvoller als Gold. Gerade in Zeiten stetig steigender Gewinne von Pflegeketten und Krankenhauskonzernen, kann es nicht angehen, dass noch immer Löhne unter Tarif gezahlt werden. Noch schlimmer ist, dass sich Pflegefachkräfte auf diese Bezahlung einlassen.

Berufene schaden der Profession

Häufig wird dieses Verhalten mit dem Begriff der Berufung gerechtfertigt. Wer aber eine Bezahlung akzeptiert, die sich unterhalb des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bewegt, der ist nicht berufen, sondern naiv. Ein derartiges Verhalten schadet der gesamten Profession Pflege. Ich höre nun schon den Aufschrei der Berufenen, dass ein Bewohnerlächeln mehr Wert ist als Geld und in der Pflege Nächstenliebe über allem steht. Allerdings leben wir im 21. Jahrhundert und Pflegende sind längst keine mittelalterlichen Mönche und Nonnen mehr, die ihrer Berufung für Gotteslohn nachgehen. Noch dazu lassen sich mit einem Bewohnerlächeln keine Rechnungen bezahlen. Sicher gehört ein gepflegtes Maß an Empathie neben aller Fachlichkeit zu den Grundvoraussetzungen professioneller Pflege, doch lassen sich heutzutage etwa auch Pfarrer ihre Tätigkeit gut bezahlen. Und bei dieser Personengruppe kann man  tatsächlich mit Fug und Recht von Berufung sprechen.

Kapital schlagen aus der Geldgier der Konzerne

Es wird also Zeit, dass Pflegende endlich die Gesetze des Marktes begreifen. Wer noch nie von Angebot und Nachfrage gehört hat, sollte spätestens jetzt anfangen, sich mit Marktwirtschaft und Kapitalismus zu befassen. Wenn Konzerne Geld mit der Krankheit und Pflegebedürftigkeit von Menschen verdienen können, dann dürfen wir als Pflegekräfte Kapital aus der Geldgier der Konzerne  schlagen. Der Zeitpunkt war noch nie so günstig: Schlagt endlich Profit aus dem Pflegenotstand!

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