Wie Multikulti-Teams funktionieren

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Tipps für mehr interkulturelle Kompetenz in der Pflege

Missverständnisse können durch eine offene Kommunikation vermieden werden. (Foto: Pexels)

Neben Kolleginnen aus Polen beginnen immer mehr Syrer, Iraner und Eriträer eine Ausbildung im Pflegebereich. Im Arbeitsalltag treffen so verschiedenste Kulturen aufeinander. Ethnologin Elisabeth Sonntag gibt Tipps für ein friedliches Miteinander.

„Die Sprache ist das kleinste Problem“, erklärt Sonntag. Doch spätestens, wenn der muslimische Mitarbeiter während des Fastenmonats Ramadans mit leerem Teller am Mittagstisch sitzt, ist der interkulturelle Graben zu spüren. Unsensible Kollegen machen sich einen Spaß daraus, ihre Arbeitskameraden mit Süßigkeiten in Versuchung zu führen, andere schauen lediglich betroffen weg.

„Beide Reaktionen sind verständlich“, sagt Sonntag. Die Ethnologin kennt solche Situationen aus vielen Seminaren. Weil die Arbeitswelt internationaler wird, werden auch die Fettnäpfchen zahlreicher. Die interkulturelle Trainerin arbeitet bei dem Weiterbildungsanbieter carriere & more. „Viele Firmen tolerieren zwar die religiöse Einstellung ihrer Mitarbeiter, akzeptiert wird sie hingegen nicht“, sagt die Expertin. Damit meint sie, dass formal nichts gegen andere Glaubensrichtungen eingewendet wird, im Alltag allerdings wenig Verständnis oder gar Ablehnung herrschen.

Hinzu kommen Kulturschocks. „Fremd im Land verändert sich mitunter die Persönlichkeit, weil die eigene Identität verloren geht“, erklärt Sonntag. Betroffene fühlen sich fehl am Platz. Eine gute Arbeitsleistung kann in solch einem mentalen Zustand keiner erwarten. Wer also engagierte Fachkräfte möchte, sollte auf Details achten.

Miteinander sprechen bleibt das A und O. Sorgt sich die Abteilungsleitung, dass ihr fastender Lehrling weniger belastbar ist, darf sie das äußern. „Meist rühren interkulturelle Differenzen aus einem Mangel an Wissen“, bestätigt die Trainerin. Wer Traditionen und Kulturunterschiede im Team offen angeht, vermeidet Missverständnisse.

Mehr noch. Durch den demografischen Wandel werden in naher Zukunft vermehrt Menschen aus anderen Kulturkreisen ins Pflegeheim kommen. Gut ausgebildete Pflegekräfte und deren sprachliches und kulturelles Verständnis werden dann zum Pluspunkt des Betriebes. Viel interkulturelles Potenzial, das im Alltagsstress oft untergeht. Deshalb appelliert die Ethnologin: „Machen Sie sich mit Sitten und Gebräuchen ihres Gegenübers vertraut. Interessieren Sie sich dafür.“

„Die politische Correctness-Keule bitte außen vor lassen“, scherzt Sonntag. Keine Betriebsweihnachtsfeier mehr zu veranstalten, weil Muslime ein Fünftel der Belegschaft ausmachen, hilft keinem. Stattdessen Weihnachten und das Ende des Ramadans zu ehren, schafft hingegen verbindende Akzeptanz. Schon verschiedene Nationalspeisen beim Sommerfest haben einen positiven Effekt, weil Mitarbeiter untereinander ins Gespräch kommen.

Weniger liberal sollten sich Chefs in Punkto Vorschriften zeigen. Denn zum interkulturellen Miteinander gehören klare Grenzen. „Sobald Gebräuche Mitarbeiter gefährden oder die Freiheit der Kollegen und Bewohner einschränken, müssen sie hintanstehen“, sagt Sonntag. Jeder Angestellte – egal ob Spanier, Deutscher oder Syrer – habe die Fähigkeit und Pflicht, Hausregeln einzuhalten.

7 Tipps für mehr interkulturelle Kompetenz in der Pflege

  1. Langsam annähern
    Hinterfragen Sie Verhaltensweisen bevor Sie urteilen.
  2. Miteinander sprechen
    Interessieren Sie sich für Traditionen Ihrer Kollegen und schildern Sie Sorgen.
  3. Mitarbeiter einbeziehen
    Sprechen Sie im Team über Problematiken und verschiedene Ansichten.
  4. Vielfalt als Wettbewerbsvorteil wahrnehmen
    Nutzen Sie vorhandene Sprach- und Verhaltenskenntnisse. So entstehen neue Ideen, die Ihren Betrieb voran bringen.
  5. Aktiven Austausch fördern
    Initiieren Sie Kulturfeste, Koch- oder Gesprächsrunden, um die Herkunftsländer Ihrer Belegschaft kennenzulernen.
  6. Politische Correctness-Keule meiden
    Würdigen Sie lieber Traditionen aus verschiedenen Ländern als kulturelle Feste auszuklammern.
  7. Grenzen ziehen
    Bestimmen Sie klare Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter zu halten hat.

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