Klare Sicht für Bewohner

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So verbessern Heime die Lebensqualität der Senioren

Laut einer Studie haben 75 Prozent der Bewohner einer beeinträchtigtes Sehvermögen (Foto: Pexels)

Ich bin begeistert, dass wir auch schon mit kleinen Maßnahmen wie dem richtigen Licht die Lebensqualität unserer Bewohner steigern können“, sagt Andreas Büchner. Der Einrichtungsleiter des BRK-Seniorenwohnens Bad Reichenhall-Kirchberg und seine Mitarbeiter haben Ende August ihr Haus mit ganz anderen Augen gesehen: Ausgerüstet mit Stimulationsbrillen erlebten sie die Einrichtung wie ihre sehbehinderten oder blinden Bewohner.

Die beeindruckende Erfahrung war Teil des vom Blindeninstitut Würzburg in Kooperation mit Pflegekassen durchgeführten Präventionsprogramms „Gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen“. Es will Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige dafür sensibilisieren, dass gutes Sehen betagten Menschen geistige wie körperliche Mobilität und Eigenständigkeit bewahrt. Diese Botschaft hat die Bad Reichenhaller Einrichtung sofort erreicht. Drei Monate nach der Teilnahme an dem kostenfreien Programm hat sie nicht nur erste darin empfohlene Schritte umgesetzt, sondern auch viele Maßnahmen im Sinne einer sehgerechten Einrichtung entwickelt.

Jeder zweite Pflegeheimbewohner blind oder sehbehindert
Das Ende 2016 in Bayern gestartete Präventionsprogramm „Gutes Sehen“ verfolgt mehrere Ziele. Es will nicht nur das Bewusstsein für gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen schärfen, sondern dort auch regelmäßige Vorsorgemaßnahmen verankern sowie Barrieren im Alltag sehbeeinträchtigter und blinder Senioren abbauen. Das Programm basiert auf den Ergebnissen einer von der Universitäts-Augenklinik Würzburg und dem Blindeninstitut durchgeführten wissenschaftlichen Studie im Rahmen des Modellprojekts “Sehen im ALter”. Fast jeder zweite der an der Studie beteiligten Pflegeheimbewohner galt als blind oder sehbehindert. 37 Prozent hatten eine mäßige Sehbeeinträchtigung, 38 Prozent galten als sehbehindert, acht Prozent als blind.Das Thema und seine Bedeutung für das BRK-Seniorenwohnen Bad Reichenhall zu beleuchten, veranlasste Einrichtungsleiter Andreas Büchner zur Teilnahme an dem Programm. „Mich hat der Gedanke dahinter sofort überzeugt“, so der Gerontologe. Auch noch drei Monate nach dem Besuch der Experten sind er und sein Team beeindruckt von den Selbsterfahrungen und dem praxisnah vermittelten Wissen zum Thema gutes Sehen.

Individuelle Beratung vor Ort
Denis Herrlinger widmeten sich Mitarbeitern wie Bewohnern der oberbayerischen Pflegeeinrichtung mit ebenso viel Fingerspitzengefühl wie pädagogischem Geschick. Sabine Kampmann ist Orthoptistin. Sie untersucht die Sehfunktion der Senioren. Dabei geht sie individuell auf die körperliche und geistige Verfassung eines jeden Bewohners ein. “Da es soch hierbei um ein Screening handelt, werden Empfehlungen bezüglich der Dringlichkeit eines Augenarztbesuches gegeben, aber auch für einen Augenoptikerbesuch zwecks Brillenüberprüfung und Hilfsmittelanpassung. Wenn nötig werden auch Hinweise und Tipps zur Kontaktaufnahme mit Reha-Lehrern und Selbsthilfegruppen mit auf den Weg gegeben“, so Kampmann.

Im Anamnesegespräch erfasst Sabine Kampmann, wie gut Senioren ihr Sehvermögen einschätzen (Foto: Blindeninstitusstiftung)

Die wissenschaftliche Studie habe gezeigt, dass „es momentan an einer flächendeckenden mobilen Versorgung durch Augenärzte und Augenoptiker mangelt.“ Auch in Bad Reichenhall war dies so. Kurz vor dem Besuch des Präventionsteams meldete Augenoptikermeisterin Ewa Hawlitschek ihr Interesse an Hausbesuchen an. Anfang November überprüfte sie Augen und Brillen erster Bewohner. Sie kommt nun einmal monatlich ins Haus. „Ein älterer Herr, der noch keine Brille hatte, sagt, dass er jetzt mit Brille viel sicherer im Haus unterwegs ist“, freut sie sich.


Das Präventionsprogramm „Gutes Sehen“
Das Präventionsprogramm „Gutes Sehen“ richtet sich an Pflegeeinrichtungen in Bayern. Ein interdisziplinäres Team des Blindeninstituts Würzburg führt die Maßnahmen durch. Die Teilnahme ist für die Pflegeeinrichtung kostenfrei. Die Kosten werden von den beteiligten Pflegekassen der AOK Bayern, des BKK Landesverbandes Bayern, der IKK classic, der Knappschaft, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG als Landwirtschaftliche Pflegekasse und der Kaufmännischen Krankenkasse KKH übernommen.

Weitere Informationen: www.blindeninstitut.de/gutes-sehen

 

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