Ein Herz für Spahn

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Ein Kommentar von Christian Hübner

Deutscher Pflegetag Jens Spahn
Bild: Deutscher Pflegetag/Dirk Enters allefarben-foto

Es ist ein typisch deutscher Reflex. Kaum ist ein neuer Minister vereidigt, schon wird er öffentlich demontiert. Sicher hat Jens Spahn in den letzten Wochen mehrfach richtig tief ins Klo gegriffen. Mit seinen Aussagen über Hartz 4 und Abtreibungen hat er den Zorn zahlreicher Bürger auf sich gezogen. Und auch sonst erntet er für Äußerungen, wie die zur inneren Sicherheit, fast nur Hohn und Spott.

Eine Lanze brechen

Doch kann man die Arbeit eines Politikers realistisch anhand einiger aus dem Zusammenhang gerissener Zitate beurteilen? Noch dazu, wenn diese gar nicht sein Ressort betreffen? Um eines klarzustellen: Ich bin weder Mitglied im Fanclub von Jens Spahn noch CDU-Wähler. Dennoch möchte ich heute eine Lanze für ihn brechen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich vom Pferd falle.

Er meint es ernst

In meinen Augen hat Jens Spahn mehrfach gezeigt, dass er es mit der Pflege ernst meint. Er war unmittelbar nach seiner Vereidigung auf dem Deutschen Pflegetag und hat mit Andreas Westerfellhaus, einen ausgewiesenen Experten, zum Pflegebevollmächtigten ernannt. Außerdem hat er in kürzester Zeit die Ausbildungsverordnung für die Generalistik auf den Weg gebracht.

Ein starkes Signal

Gut, die Idee Pflegende aus dem Ausland anzuwerben ist nicht neu und sie wird den Pflegenotstand nicht beheben. Aber es ist ein starkes Signal, dass ein Bundegesundheitsminister öffentlich eingesteht, dass wir in der Pflege ein Fachkraftproblem haben. Wenn eine offizielle Werbekampagne der Bundesregierung am Ende auch noch dazu führt, dass sich tatsächlich die ein oder andere Pflegekraft nach Deutschland verirrt, wird es zumindest niemandem Schaden.

Pflege will keine Hilfe

Überhaupt zeigt die Pflege in Sachen Jens Spahn einmal mehr, dass sie eigentlich gar keine Hilfe will. Während des Wahlkampfs wurde der Politik noch vorgeworfen, das Thema Pflege sei in Kürze wieder vergessen. Nun sucht ein Politiker die Nähe zur Berufsgruppe der Pflegenden und wird dafür fortlaufend angegriffen und verspottet. Dabei muss das Ziel sein, den Dialog zu suchen. So wie es die Junge Pflege im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) auf ihrem Kongress in Bochum tun wird. Oder auch wie Krankenschwester Jana Langer, die nach ihrem offenen Brief an Angela Merkel nun mit einem neuen Schreiben an den Bundesgesundheitsminister nachgelegt hat.

Eine faire Chance

Man darf unterschiedlicher Meinung sein und man darf das auch kundtun. Dennoch sollte Pflege nicht glauben, sie könne ohne einen Minister Verbesserungen erreichen. Denn am Ende geht das nur gemeinsam mit der Politik und nicht mit Widerstand. Vielleicht wäre es dabei auch hilfreich, wenn Pflege endlich ihren Totalitätsanspruch ablegt. Sicher erfüllen wir einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag, doch wir sind nicht der Nabel der Welt. Ein Bundesgesundheitsminister hat im Rahmen seiner Aufgaben neben der Pflege auch noch andere Felder zu bestellen. Jens Spahn jedenfalls scheint uns wohl gesonnen. Nehmen wir die Hand, die er uns reicht und geben ihm eine faire Chance!

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