Wiedereinstieg nach der Elternzeit

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Wie sich Kindererziehung und Pflegejob vereinen lassen

Liebt ihr Familienleben und ihren Beruf: Jennifer Gushiken (Foto: SSG)
Liebt ihr Familienleben und ihren Beruf: Jennifer Gushiken (Foto: SSG)

Nach längerer Pause ins Berufsleben zurückzukehren, kann knifflig sein. Innerhalb weniger Monate sind Kenntnisse veraltet und Kontakte verloren. Dazu kommt, dass die neue Lebenssituation weniger Flexibilität oder Arbeitsbelastung erlaubt. Trotzdem kann der Wiedereinstieg gelingen, wie ein Beispiel aus Wolframs-Eschenbach zeigt.

„Zu arbeiten, ist sehr wichtig für mich. Als Ausgleich und auch, um meine Selbstständigkeit als Frau zu wahren“, sagt Anne Albrecht, Mutter und Pflegekraft in Teilzeit. Mit dieser Ansicht ist die 28-Jährige nicht allein. Laut Statistischem Bundesamt haben beinahe drei Viertel aller Mütter einen Job. Die meisten davon arbeiten in Teilzeit. So auch Albrecht, die Zuhause neben den vierjährigen Zwillingen Moritz und Benjamin auch ihr zweijähriges Töchterchen Emma betreut. „Ich liebe es mit den Kleinen zu toben. Genauso liebe ich es, mich um ältere Menschen zu kümmern“, sagt die Altenpflegerin.

Passioniert: Als Mutter und Pflegekraft

Schon in ihrer Jugend pflegt die damalige Realschülerin ihren querschnittsgelähmten Großvater. Als es dann an die Berufswahl geht, steht fest: die Sächsin möchte Pflegerin werden. Nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung und der Geburt der Zwillinge zieht die neugegründete Familie nach Weidenbach in Mittelfranken. Fünf Jahre lang gehört Albrechts Aufmerksamkeit ausschließlich den Kleinen. „Eine schöne Zeit, aber nach und nach sehnte ich mich nach einer neuen Aufgabe“, erinnert sich die dreifache Mutter.

Step by Step

„Nach einer langen Auszeit sofort von null auf 100 zu springen, ist keine gute Idee“, warnt Sebastian Bönisch, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation. Wer zurück ins Berufsleben hüpfen will, sollte zuerst einmal analysieren was geht und was nicht geht. „Nicht immer, ist die bisherige Tätigkeit in vollem Umfang geeignet“, sagt der Gesundheitsökonom. Dessen ist sich auch Albrecht bewusst. Sie startet ihr „Berufsleben reloaded“ im Seniorenwohnen Wolframs-Eschenbach – als Teilzeitkraft. Trotzdem fällt der Wiedereinstieg zunächst schwer. Formalien haben sich gewandelt, Abläufe verändert. Die junge Mutter muss sich die neuen Richtlinien selbst aneignen – neben der Arbeit und ihren Betreuungsaufgaben Zuhause. „Die Umstellung war ein richtiger Kraftakt“, erinnert sich die 28-Jährige, „das wichtigste ist, dranzubleiben und nicht bei den ersten Hindernissen einzuknicken.“

Das Zeitmanagement muss stimmen

Inzwischen ist Albrecht angekommen. Alle Abläufe – ob Zuhause oder bei der Arbeit – gehen ihr wie selbstverständlich von der Hand. Jeder Tag startet um 4:50 Uhr. Nachdem Vesper und Kindergartentaschen gerichtet sind, macht sich Albrecht auf den Weg ins Seniorenwohnen. Die examinierte Pflegekraft arbeitet ausschließlich im Frühdienst: „Anders wäre die Berufstätigkeit nicht möglich für mich“, weiß die Weidenbacherin, „das Seniorenwohnen kommt mir glücklicherweise entgegen und respektiert meine Dienstplanwünsche.“ Nach der Arbeit, um 14 Uhr, fährt Albrecht direkt zum Kindergarten. Eine Verschnaufpause passt nicht in den Zeitplan. „Dass ich den Schalter dann sofort von Arbeit auf Mama umschalten kann, hat etwas gedauert“, erzählt sie. Inzwischen sei das aber kein Problem mehr. Albrecht ist glücklich als „Working Mom“. Der Alltag sei zwar eng getaktet, „doch ich darf das Beste aus beiden Welten genießen.“

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“ hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

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