Cannabis fürs Gedächtnis

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Kiffen gegen das Vergessen

Das Gedächtnis nimmt mit zunehmendem Alter ab. Dieser Prozess wird bereits seit längerem erforscht. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Cannabis die Alterung im Gehirn von Mäusen umkehren kann. So konnten alte Tiere wieder genau so viel leisten, wie junge Mäuse. Diese Erkenntnis ermöglicht neue Perspektiven, etwa wenn es darum geht, Menschen mit Demenz zu behandeln. Prägen nun bald kiffende Senioren das Bild in Pflegeheimen?

Die 68er kommen

Der ein oder andere wäre dem Konsum von medizinischem Cannabis sicher nicht abgeneigt. Vor allem, wenn sich neben dem Rausch positive gesundheitliche Nutzen einstellen. Außerdem kommt langsam die 68er Generation in den Pflegeheimen an. Man stelle sich vor, statt Gedächtnistraining gibt es ein Sit-in mit kreisender Tüte. Oder zur Weihnachtszeit werden statt Vanillekipferl Haschkekse gebacken. Eine entspannte Atmosphäre wäre garantiert. Und auch das Personal könnte sich hier und da eine kleine „Auszeit“ gönnen, wenn der Stress mal wieder allzu groß wird.

Leistungsverlust komplett umkehrbar

Bis es soweit ist, suchen Forscher weiter nach Wegen, das Altern des Gehirns aufzuhalten oder umzukehren. Wissenschaftler der Universität Bonn und der Hebrew Universität Jerusalem haben dieses Ziel jetzt bei Mäusen erreicht. Im Rahmen der Studie erhielten Mäuse im Alter von zwei bis 18 Monaten vier Wochen lang eine geringe Dosis THC, dem Wirkstoff aus der Cannabis-Pflanze. „Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere komplett um“, berichtet Prof. Dr. Andreas Zimmer von der Uni Bonn. Mäuse, die ein Placebo erhielten, zeigten hingegen altersabhängige Lern- und Gedächtnisverluste. Die Dosis war allerdings so gewählt, dass ein berauschender Effekt des THC ausblieb.

Cannabis dreht die Uhr zurück

Laut Zimmer verringert sich mit steigendem Alter die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide. „Wenn die Aktivität des Cannabinoid-Systems abnimmt, dann finden wir ein rasches Altern des Gehirns“, so der Forscher. In den Gehirnen der mit THC behandelten Tiere sei die molekulare Signatur demnach wieder ähnlich der von jungen Tieren gewesen. Auch die Zahl der verknüpften Nervenzellen habe zugenommen. „Es sah so aus, als hätte die THC-Behandlung die molekulare Uhr zurückgesetzt“, so Zimmer weiter.

Klinische Studie geplant

Im nächsten Schritt planen die Wissenschaftler eine klinische Studie. So wollen sie herausfinden, ob Cannabis auch bei Menschen die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigert und das Altern umkehrt. Cannabisprodukte werden bereits erfolgreich in der Schmerztherapie eingesetzt und sind für diesen Zweck in Deutschland zugelassen. Svenja Schulze, Gesundheitsministerin von NRW, ist angetan von der Studie: „Von der Maus zum Menschen ist es zwar ein weiter Weg, doch stimmt mich die Aussicht darauf, dass THC etwa zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden könnte, außerordentlich positiv.“

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Christian Hübner hat die integrative Pflegeausbildung nach dem Stuttgarter Modell© absolviert. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger und Altenpfleger, arbeitet aktuell in der Behindertenhilfe und studiert berufsbegleitend Pflegewissenschaft an der Universität Witten-Herdecke.

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