Uli und die Demenz: Niemand muss perfekt sein

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Drei Tipps für mehr Gelassenheit im Pflege-Alltag

Katze schlafend
Bild: pixabay.com

Muss immer alles glatt laufen? Nein. Es kann gar nicht sein, dass stets jede Kleinigkeit funktioniert. Unser Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller motiviert dazu, Fehler zuzulassen – bei
sich selbst und anderen.

Frau Fischer pflegt ihren Mann. Sie gibt sich Mühe. Urlaub gönnt sie sich keinen. Denn sie
sagt: „Es ist so schwierig, guten Ersatz für die Pflege zu finden. Da pflege ich lieber selber –
und verzichte auf Urlaub und Abstand. Und Schwester Bärbel staucht ihre Kolleginnen zusammen: „Wieder habt ihr euch nicht an den Duschplan gehalten. Diese Woche sind drei Bewohner nicht geduscht worden. Was ist, wenn der MDK kommt?“

Fehler zulassen

Warum setzt sich Frau Fischer eigentlich unter den Druck, dass alles glatt laufen muss? Was
passiert, wenn ein Bewohner mal eine Woche lang nicht duscht? Ist es ein Desaster, wenn
Fehler passieren? Klar – es gibt Pflegefehler, die schwerwiegende Folgen haben können.
Stürze, Druckstellen oder falsche Medikamentengabe. Aber nicht jede Kleinigkeit ist eine
Katastrophe. Ich wünsche Frau Fischer und auch Schwester Bärbel, dass sie in ihrem Alltag
gelassen werden (oder bleiben) können.

Beispiel: Bücher schreiben

Ich schreibe Bücher für Menschen mit Demenz. Damit diese Bücher von tausenden Lesern
mit Freude benutzt werden können, strenge ich mich riesig an. Während das Buch entsteht,
geht es mehrmals zwischen mir als Autor und meiner Lektorin vom Verlag hin und her. Und
uns beiden fallen jedes Mal noch Sachen auf, die man besser machen kann. Das ist ganz
schön viel Arbeit. Aber für ein Buch wichtig. Denn meine Leser sollen das bestmögliche Buch
erhalten, das ich schreiben kann. Aber: Wenn ich den gleichen Perfektionismus an jede
banale E-Mail anlege, die ich täglich schreiben muss, dann werde ich wohl meines Lebens
nicht mehr froh…

Eigene und fremde Ansprüche hinterfragen:

  • Was in der konkreten Pflegesituation können Sie weglassen, vereinfachen oder reduzieren, ohne dass die Welt untergeht?
  • Bei welchen Tätigkeiten genügen auch 80 statt der angestrebten 120 Prozent?
  • Wann haben Sie sich das letzte Mal für Ihre Leistungen gelobt?

Ein Gebet, das hier sehr gut passt, lautet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Hände mit Kerze
Bild: pixabay.com

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