Uli & die Demenz: Volltreffer!

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Drei Tipps, um im Fußball-Sommer Männer zu aktivieren

Männer spielen nicht nur gerne Fußball, sie reden auch gerne über Fußball. Betreuer können dies nutzen, um Männer mit Demenz zu aktivieren. (Foto: Fotolia)

Viele Männer – aber auch Frauen – sind fußballbegeistert. Im Sommer ist wieder Fußball-EM. Das Fußball-Fieber ist die einzige Krankheit, die in der Altenpflege willkommen ist.

Herr Fellmann lebt im Altenheim. Zur Aktivierung wird dort viel angeboten: Häkelrunde und Bastelnachmittag, Backmittag und Strickrunde. Herrn Fellmann reißt das nicht vom Stuhl. Denn – er ist ein Mann! Die Fußball-Meisterschaft im Sommer ist eine Chance, Männer wie Herrn Fellmann zu aktivieren. Hier sind drei Tipps, wie Sie Männer im Fußball-Sommer aktivieren.

Erstens: Ein Fußballspiel im Fernsehen anschauen

Es kann sehr schön sein, gemeinsam ein Fußballspiel anzuschauen. Vielleicht versteht der Betroffene dabei nicht, dass es sich gerade um die Fußball-Europa-Meisterschaft 2016 in Frankreich handelt. Aber er bekommt die Stimmung mit. Das kann Erinnerungen auslösen. Wichtig ist dabei: Demente Menschen bitte nicht den ganzen Tag mit mehreren Fußballspielen berieseln. Eher gezielt auswählen – vielleicht auch mal nur eine Halbzeit oder eine Zusammenfassung anschauen. Manche demente Menschen können mit Fernsehbildern nichts mehr anfangen. Sie sind damit überfordert oder bekommen Angst. Hier bitte sensibel sein. Im Zweifelsfall lieber die Flimmerkiste ausschalten. Es gibt aktivere Alternativen.

Zweitens: Bildbände alter Fußballmeisterschaften anschauen

Ich habe nicht schlecht gestaunt. Eines Tages brachte ich einen Bildband der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 mit ins Altenheim. Damit wollte ich einen Herrn etwas aus der Reserve locken, der an meiner sonstigen Aktivierung bisher kein großes Interesse zeigte. Und – siehe da: Er erkannte nicht nur die verschiedenen Spieler. Er konnte sich sogar noch an einzelne Fußballpartien (aus dem Jahre 1954!) erinnern. Ich war baff. Besorgen Sie Bilder und Material früherer Meisterschaften. Und schauen Sie es gemeinsam an.

Drittens: Selber „Fußball“ spielen

Bringen Sie doch einmal einen Fußball mit. Setzen Sie sich Ihrem Schützling gegenüber. Kicken Sie den Ball hin und her. Mit einer Gruppe können Sie das im Kreis tun. Solche Spiele können Sie variieren mit Gedächtnistraining. Zum Beispiel: Jeder, der Ballkontakt hat, soll eine Sportart nennen – Handball, Fußball, Federball, Golf, Fahrradfahren, Wandern, Schwimmen, Volleyball, Skifahren, Skispringen, … Vorsicht! Wenn Sie mit dem Fußball spielen, bringen sie vorher Omas Porzellangeschirr besser in Sicherheit.

Ihre Tipps für mich

Wenn Sie selber gute Erfahrungen mit Spielen für demente Menschen gemacht haben, würde ich mich freuen, wenn Sie diese hier kommentieren. Ich probiere gern selber immer wieder etwas Neues aus und freue mich über Ihre Tipps.

3 KOMMENTARE

  1. Folgendes Feedback erreichte mich zu dieser Kolumne:

    “Eine tolle Sache, die Kolumne Uli & die Demenz.
    Ich lese sie gern.
    Sie ist locker, humorvoll und lebensnah.
    Danke dafür.”

    Karin Zimmermann. Mehrgenerationenhaus der Familie Gelbe Villa. Gemeindecaritas. Kirchen, 10.6.2016

  2. Zwei Vorschläge zum Thema Fussball möchte ich gerne ergänzend hierzu einbringen, allerdings nur bedingt den Bereich Aktivierung aber ganz sicher den Bereich Mitarbeiter- Fortbildung betreffend: Der erste lief leider schon gestern wieder einmal im Fernsehen: Der Sönke Wortmann Film “Das Wunder von Bern”. Er dreht sich nicht nur um die WM 1954. Die Rahmengeschichte, die von der Spätheimkehr eines Kriegsgefangenen und die Problematik seiner Familie, trifft den Nerv dieser Generation. Wir lernen unendlich viel über die heute von uns betreuten Menschen. Den Film lege ich immer besonders Pflegeschülern ans Herz. Das zweite ist das Buch Trautmanns Weg von Catrine Clay. Darin ist die Geschichte des Bert Trautmann erzählt, der vom Hitlerjungen, Elitesoldaten und Kriegsgefangenen zum Weltklasse- Torhüter und Vereinslegende von Manchester City mutierte. Faszinierend ist Berts Sozialisierung von der Kindheit in der Weimarer Republik, seine Indoktrinierung in der HJ seine Kriegsodyssee, seine Gefangenschaft und sein Ankommen in der Demokratie beschrieben. Besonders eindringlich erzählt er, wie er von den Engländern lernte, was gegenseitiger Respekt und Achtung eigentlich bedeuten. Das machte ihn zum anderen Mensch, und dies den Menschen von damals zu zeigen, ist eine große Chance, die wir heute noch in Pflegeeinrichtungen haben. So: War etwas lang. In Ulis Sinne hoffentlich, möchte ich sagen, das Aufnahmen der zauberhaften Reportage vom Endspiel 54 (aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen) große Emotionen wecken kann.

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