Noch mehr Bilder für Demenz – Teil 2

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Ein unerklärlicher Zustand mit zwei Bildern erklärt

Bild: pixabay.com

Demenz ist nicht Demenz. So wie auch jeder Mensch anders ist, ist auch jede Demenz anders. Um dennoch Gemeinsamkeiten verschiedener Verläufe einer Demenz zu verdeutlichen, helfen Bilder. Uli Zeller stellt hier  zwei weitere Bilder vor.

Demenz ist wie ein Stapel Scheine im Wind. Wie Bücher, die aus dem Regal fallen. Auch mit einem Schrank und einem Pianisten wurde dieser neurodegenerative Prozess schon verglichen.

Der Schrank

Erinnerungen sind wie ein Schrank. Vor den Erinnerungen hängt ein großes Kleidungsstück. Dieses hat keinen praktischen Wert. Es tut nur eines: Den Zugriff verhindern. Es verdunkelt den gesamten Raum. Nur von der Ferne dringt wie ein Nebel Licht durch die Fenster. Ratlos steht der demente Mensch da und fragt sich, wie er ins Innere des Schrankes gelangt. Manchmal kann er all seine Kraft bündeln; und dadurch die Tür einen Spalt öffnen. Aber, dann erschrickt er: Denn im Schrank befindet sich – nichts. Dabei ist er sich sicher, im Laufe seines Lebens viel in dem Schrank abgelegt zu haben. Dieses Bild drückt sehr gut aus, wie hilflos der Betroffene in seiner Situation ist. Und es zeigt, wie sinnlos man Demenz erleben kann: Eben wie ein Kleidungsstück, das keinen Nutzen hat. Dieses Bild stammt von Andreas Wenderoth: „Ein halber Held“, erschienen in Geo, November 2014. Dieser Beitrag hat 2016 den ersten Platz beim Journalistenpreis Demenz bei der Diakonie Neuendettelsau gewonnen.

Das Bücherregal

Das nächste Bild: Ein Regal mit Büchern. Mal fällt dieses, mal fällt jenes Buch um. Manchmal ist der Inhalt dann ganz verschwunden. Aber es kommt auch vor, dass sich ein Buch wieder aufstellt – und der Betroffene erinnert sich an längst Vergessenes. In diesem Bild steckt etwas Hoffnungsvolles: Man soll nie die Hoffnung aufgeben. Immer kann es vorkommen, dass man auf etwas zurück greifen kann, was man längst verloren geglaubt hatte. Dieses Bild wird im Film „Honig im Kopf“ verwendet, als der Kinderarzt der Enkelin Tilda erklärt, was eine Demenz ist. Meine Kolumne zum Film, einschließlich Link zu diesem Ausschnitt finden Sie hier.

Wer demente Menschen betreut, kennt diese Probleme: Das sperrige Stück, das den Blick in den Schrank versperrt. Und das Bücherregal, aus dem immer mehr Bände verschwinden. Ich wünsche Ihnen und mir viel Kreativität dabei, Betroffenen ihre Erinnerungen zugänglich zu machen.

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