Uli & die Demenz: Fünf Tipps bei Vorwürfen

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Gegenseitige Vorwürfe führen zu nichts
Gegenseitige Vorwürfe führen zu nichts (Bild: pixabay)

Wie gehe ich damit um, wenn mich mein Angehöriger beschimpft?

„Du Schlampe!“ „Du betrügst mich! „Du hast einen anderen!“ „Du läßt mich im Stich!“ Solche Vorwürfe hört Sonja dauernd. Von ihrem dementen Partner. Die Vorwürfe gelten aber gar nicht ihr. Sondern: Ihr Mann war zuvor mit einer anderen Frau verheiratet. In seiner Demenz kommt nun alter Ärger hoch – der eigentlich gar nicht seiner jetzigen Ehefrau gilt. Wie kann man damit umgehen? Fünf Tipps.

Tipp 1: „Das gilt nicht mir persönlich.“

Die Ehefrau kann sich sagen: „Der Zorn gilt nicht mir persönlich. Mein Mann ärgert sich über seine erste Frau.“ Das kann schon einmal helfen, die Gefühle auf Verstandesebene einzuordnen. Dann aber muss die Gefühlsebene noch mitkommen…

Tipp 2: „Ich atme erst mal tief durch.“

Bevor Sonja explodiert, kann sie auf Abstand gehen. Erstmal kurz die Augen schließen oder den Raum verlassen. Tief durchatmen. Sie kann ein Stoßgebet sprechen. Oder eine Strophe eines fröhlichen Liedes singen. Oft sieht die Welt danach schon ein klein bisschen entspannter aus.

Tipp 3: „Ich lasse mich nicht auf Diskussionen ein.“

Sonja hat schon erlebt: Je mehr sie diskutiert, umso schlimmer wird es. Die Emotionen des Ehepartners schaukeln sich hoch. Und da ein Streit mit einem dementen Menschen zu keinem Ziel führt, geht sie inzwischen lieber auf Abstand. Gute Erfahrungen hat Sonja damit gemacht, vom Thema abzulenken. Meist ist die Welt dann bald wieder in Ordnung.

Tipp 4: „Ich gehe auf das Grundgefühl ein.“

Sonja hat gemerkt: Es ist gut, sich in der Kommunikation mit dementen Menschen mehr auf Gefühlsebene als auf intellektueller Ebene zu bewegen. Also nicht Argumente austauschen. Sondern Emotionen teilen. Bei ihrem Mann hat sie den Eindruck: Er hat oft Angst davor, allein zu sein und verlassen zu werden. Gut spricht er darauf an, wenn sie sagt: „Ich bin für dich da.“

Tipp 5: „Ich vergebe.“

Wer anderen nicht vergibt, ist wie einer, der Rattengift isst – und darauf wartet, dass die Ratte stirbt. Oder wie einer, der einen anderen einen Stein hinterher trägt. Sprich: Er schadet sich selber und verbittert mit der Zeit. Zum Thema „Umgang mit Schuld und Vergebung“ gibts eine eigene Kolumne.

Vorwürfe sind ein großes Thema beim Umgang mit Menschen mit Demenz. Ich wünsche Ihnen die Weisheit, im richtigen Moment das Richtige zu sagen – und im richtigen Moment auch zu schweigen.

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