Uli & die Demenz: Tiere machen gute Laune

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Glückliche Augenblicke für Menschen mit Demenz

Schon Loriot erkannte, dass ein Leben ohne Mops sinnlos ist. (Bild: pixabay.com)

Frau Becker steht an der Tür. Sie hat Tränen in den Augen. Sie schluchzt: „Ich will heim.“ Was Frau Becker nicht weiß: Sie ist jetzt hier im Altenheim zuhause. Ich betreue sie – und würde ihr wünschen, dass sie glücklich ist.

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„Möchten Sie mal eine Runde spazieren gehen“, frage ich Frau Becker. Sie wirkt angespannt und nestelt an ihrem Hemd herum. „Oh ja“, nickt sie und ihre Augen beginnen hinter dem Tränenschleier ein wenig zu leuchten. Unterwegs packt Frau Becker das Heimweh. „Wo ist denn hier die Regensburger Straße“, fragt sie – obwohl es in der ganzen Stadt keine Straße mit diesem Namen gibt. Wir kommen an einer Bank vorbei – und setzen uns kurz hin. Da kommt Hilfe…

Glück auf vier Pfoten

Eine Frau kommt vorbei. An der Leine hat sie einen Hund. „Peterle“, ruft sie dem Mops-Mischling. „Peterle!“ Frau Becker lächelt den Hund an. „Ei, Peterle“, ruft sie. Zum Glück hat Peterles Frauchen ein wenig Zeit. Sie kommt zur Bank. Der Vierbeiner stupst Frau Beckers Hand mit der Nase an. Frau Becker strahlt. „Bist du aber ein Süßer!“ Der Hund hebt die rechte Vorderpfote und legt sie auf Frau Beckers Schoß. Die Augen von Frau Becker leuchten. Ihre Mundwinkel gehen nach oben. Das ist Lebensglück pur. So entspannt habe ich Frau Becker schon lange nicht mehr gesehen. Alles Heimweh scheint wie weg geblasen.

Tiergeschichten

Die Frau geht weiter. Der Hund mit ihr. Frau Becker schaut den beiden hinterher. Sie lächelt. Ich freue mich. „Wie schön. Frau Becker gehts gut.“ Ich greife in meinen Rucksack. Dort habe ich eines meiner Bücher drin: „Lachen ist die beste Medizin“. Daraus lese ich Frau Becker zwei Tiergeschichten vor. Frau Becker ist weiterhin entspannt. Vielleicht ist es gelungen, diesen schönen Augenblick für sie dadurch noch etwas zu verlängern.

Für den Augenblick

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Sicher – das Problem war damit nicht gelöst. Bald fragte Frau Becker wieder: „Wo gehts denn hier zur Regensburger Straße?“ Und bald wollte sie wieder nach hause. Es ist wohl eine Lektion, die ich im Umgang mit Menschen mit Demenz immer wieder lernen muss: Oft gibt es keine nachhaltigen Lösungen. Oft muss ich froh sein, wenn ich einige entspannte Augenblicke schaffen kann. Über das Lebensglück von Frau Becker konnte ich mich jedenfalls den ganzen Tag freuen. Wenn es in ihrem Leben auch nur ein paar schöne Minuten waren.

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