Uli & die Demenz: Wenn Frau Lipphardt lächelt

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Erinnerungen können ein Lächeln ins Gesicht zaubern. (Bild: pixabay.com)

Neulich habe ich Frau Lipphardt besucht. Sie rannte im Flur hin und her. Sie schien etwas zu suchen. Als ich sie in ihr Zimmer begleitete, fiel mein Blick auf einen Kalender an ihrer Wand. Es war ein Kalender, den Angehörige für sie gebastelt haben. Darauf befanden sich Bilder von ihren Lieben: Der Ehemann im Juni, im Juli die Tochter, ihre Enkel von August bis Dezember. Und im Monat Februar sogar ein Bild des Schäferhundes.

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„Schauen Sie mal, Frau Lipphardt“, sagte ich und nahm den Kalender von der Wand. Ich blätterte darin. Frau Lipphardt betrachtete die Bilder. Eines nach dem anderen.

Sehnsucht nach meiner Familie

Während wir in dem Kalender blätterten, las ich immer wieder die Namen vor, die unter den Bildern standen – und schaute Frau Lipphardt an: „Schauen Sie mal. Kennen Sie diese Personen?“
„Bernd“, nickte Frau Lipphardt und deutete auf das Bild, auf dem ihr Mann zu sehen war. „Und hier.“ Ich deutete auf das nächste Foto. „Hanna.“ Frau Lipphardt betrachtete das Foto. Sie zuckte mit den Schultern. Dann zeigte ich auf das nächste Bild. „Jan.“„Ja, Jan“, antwortete die Bewohnerin. „Jan.“ Und sie lächelte.

Biographiearbeit mit Kalender

Das ist eine tolle Idee, habe ich gedacht. Ein Kalender mit den Fotos von allen Angehörigen. Wenn ein Angehöriger von mir dement wird, will ich ihm auch so einen Kalender schenken. Und auch ich würde mich als dementer Mensch darüber freuen, wenn ich so einen Kalender von meiner Familie geschenkt bekomme. Vielleicht hat Frau Lipphardt an diesem Tag ja danach gesucht – nach ihrer Familie. Besonders gut an diesem Kalender fand ich: Auf den Blättern des Kalenders befanden sich nicht nur Fotos. Nein, da waren auch noch die Namen drunter: Bernd, Hanna, Jan.

Der Vorteil davon: Selbst wenn ich Frau Lipphardts Familienverhältnisse nicht kenne, kann ich ihr auf die Sprünge helfen. Und mit etwas Glück zaubere ich ein Lächeln auf Frau Lipphardts Gesicht.

Menschen oder Hund?

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Nur eine Sache hätte den Kalender für meinen Bedarf noch optimiert: Wenn da nicht nur der Name der entsprechenden Person gestanden wäre – sondern auch die Beziehung, die diese Person zur Bewohnerin hat. Zum Beispiel: „Bernd, Ehemann.“

Das hat dann nämlich einen Vorteil: Ich kenne Frau Lipphardts Verwandtschaft ja nicht so gut. Und wenn Sie zum Beispiel in ihrer Unruhe ruft „Max“, kann ich auf einen Blick erkennen, ob Max ihr Ehemann ist – oder der Schäferhund.

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