Uli & die Demenz: Fünf F der 50er-Jahre

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Mit Zeitgeschichte Erinnerungen wecken

Uli Zeller: Unsere 50er Jahre (Bild: Schlütersche)

Können Sie sich noch an das Jahrzehnt des Wirtschaftswunders erinnern? Die 50er-Jahre wecken viele Erinnerungen bei denen, die sie erlebt haben. Um noch mehr Erinnerungen anzustoßen, habe ich Menschen befragt, wie ihre 50er-Jahre waren.

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Herausgekommen sind zahlreiche Geschichten, die ich immer gerne in Gespräche einfließen lasse. Zuhörer, die in den 50ern gelebt haben, nehmen den Faden dann gerne auf und erzählen mir davon, wie sie dieses Jahrzehnt erlebt haben.

Fußball

Hermine W. etwa hatte eine Verletzung und wusste nicht, wie sie sich durch die Menschenmassen schieben konnte. Aber eine glückliche Begegnung machte es dennoch möglich – und sie kam bis ans Bahngleis. Dort fuhr dann nämlich der Zug mit der deutschen Nationalmannschaft vorbei. Mit den Helden von Bern, die 1954 gerade den ersten Fußball-Weltmeisterschafttitel der Herren nach dem Krieg heim holten…

Fernsehen

Oder Herbert B. Der hat sich als Kind einen Fernseher gewünscht. Aber da die Familie arm war, konnte sie ihn sich eigentlich nicht leisten. Aber zum Glück gabs in den 50er-Jahren den neu erfundenen Ratenkredit. So kam die Familie dann bald zu einem eigenen Fernsehgerät. Herbert B. war allerdings ein Schlitzohr. Das führte dazu, dass die Familie sich um eine Rate drücken konnte – allerdings mussten sie den Fernseher auch wieder zurückgeben…

Flucht

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Wie es sich anfühlte, als sie in den 50er-Jahren von Ost- nach Westdeutschland flüchteten, erzählte mir Hermine O. Damals gab es noch keine Mauer an der Grenze. Man konnte einfach mit der S-Bahn in den Westen fahren. Aber die Reise war mit Herzflattern verbunden. Wie die Flucht gelang und wie sie dann auf einem Polizeirevier im Westen Spreewaldgurken aus dem Osten verspeisten, erzählte mir Hermine O…

Franco

Franco nannten sie den weißen Pudel mit den drei schwarzen Pfoten. Familie B. lernte ihn am Strand in Italien kennen. Italien war ja das Lieblings-Urlaubsland der Deutschen in den 50er-Jahren. Und Jutta, die Tochter der Familie, hat mir erzählt, wieso der Hund sie im Reisebus zurück nach Deutschland begleiten konnte und dann künftig bei Familie B. In Hildesheim lebte…

Führerschein

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Und dann ist da noch Sieglinde H. Sie machte in den 50er-Jahren ihren Führerschein. Das Besondere: Der Fahrlehrer war ihr Mann. Dieser war besonders streng, als die eigene Frau seinen VW Käfer lenkte. Aber noch vor der Fahrprüfung machte er ihr dafür eine wunderschöne Liebeserklärung…

Mich hat es sehr beeindruckt, Menschen zu ihren 50er-Jahren zu befragen und daraus ein Buch zu machen. Was ich besonders spannend fand: Es waren nicht immer die „großen“ Ereignisse aus den Geschichtsbüchern, die bei den Menschen hängen geblieben sind. Nein – kleine Geschichten aus dem eigenen Leben haben diese Zeit einzigartig gemacht. So bedeutend ist eben jedes einzelne kleine Menschenleben.

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