Uli & die Demenz: Nein, Natur und Nudelpfanne

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Drei Tipps, wie ich wieder zu mir selbst finde

 

Für manche Menschen bedeutet kochen Entspannung (Bild: pixabay.com)

Heimbewohnerin Frau Berger schreit. Kollegin Susanne hat viele Ideen, die ich in der Betreuung Susannes Meinung nach umsetzen sollte. Und zuhause sind noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt. Manchmal steigt mir alles über den Kopf. Was kann ich da tun?

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Um wieder zu mir selbst zu finden, hat mir ein Buch geholfen, das den Titel trägt „Wer pflegt, muss sich pflegen“ von Erich Schützendorf. Davon angeregt habe ich mir mal ein paar Tipps überlegt:

Tipp 1: Nein sagen

Manchmal fällt es schwer, nein zu sagen. Denn wenn ich gebeten werde, etwas zu tun, ehrt mich das ja auch. Es ist ein Vertrauensbeweis des Fragenden. Aber: Wenn ich „nein“ sage, habe ich dadurch mehr Zeit für andere Dinge. Diese Kolumne schreibe ich zum Beispiel drei Tage später, als geplant. Warum? Vor drei Tagen war schönes Wetter. Darum habe ich das Schreiben verschoben – und habe stattdessen mit meiner Familie die Zeit draußen verbracht. Ich habe mich also entschieden: „Nein“ zur Kolumne. „Ja“ für die Familie. Wahrscheinlich hat es gar niemand gemerkt, dass diese Kolumne drei Tage später entstanden ist…

„Nein“ sagen öffnet neue Möglichkeiten. Wer sich schwer tut, „nein“ zu sagen, dem empfehle ich ein Buch von Nele Süß, das den Untertitel trägt „Neinsagen für Anfänger“ und im Haupttitel: „Wege aus der Nettigkeitsfalle. Der ideale Ratgeber für schrecklich nette Menschen.“  Es enthält viele Übungen, die Spaß machen und mir wirklich helfen.

Tipp 2: Natur

Sonne und frische Luft tut gut. Ich persönlich mag den Wald und verschlungene, hügelige Wanderwege. Einfach mal ungezielt durch die Gegend laufen. Über nichts besonderes nachdenken müssen. Ohne „Arbeitsauftrag“. Die Gedanken schweifen lassen, den Vögeln beim Pfeifen zuhören, im Winter die klare Luft und im Sommer den Schatten genießen. Ich habe beim Spazieren meistens einen Zettel und einen Stift in der Tasche. Und das Geniale: In dem Moment, in dem ich meine Gedanken los lasse und nicht gezielt über ein Problem nachdenke, fallen mir die besten Lösungen ein. Und manchmal kommen mir auch nur Dinge in den Sinn, die ich endlich mal erledigen sollte. Beim Spazieren notiere ich dann solche Sachen auf meinen Zettel:

  • dass „Frau Franke sagt Danke“  ein toller Buchtitel wäre
  • dass ich mal eine Kolumne schreiben könnte über Selbstpflege
  • dass ich mal wieder bei meinem Freund Jens anrufen könnte
  • dass ich wieder mal die Lieblingsschokolade für meine Tante besorgen will
  • dass ich eine Geschichte schreiben könnte über eine Frau, die stürzt – und wieder aufsteht
  • dass das Auto wegen des defekten Kofferraumdeckels mal in die Werkstatt könnte…

Frische Luft, Wald und Natur tut mir nicht nur gut – sondern macht mich auch kreativ.

Tipp 3: Nudelpfanne

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Die „Nudelpfanne“ steht allgemein für Kochen und Essen. Ich koche gern und esse es dann auch meistens. Neulich habe ich mal eine Kürbis-Orangen-Suppe gemacht, dazu Brot gebacken und zum Nachtisch eigenes Eis. Lecker! Speisen zubereiten ist eine schöne, gemütliche Aufgabe. Und am schönsten ist es, wenn man damit auch noch jemandem eine Freude machen kann. Wer keinen Partner hat, der sich über die kulinarischen Kunstwerke freut, kann ja seinem Nachbarn mal ein frisch gebackenes Brot schenken. Der freut sich bestimmt drüber.

Wenn ich also hin und wieder mal „nein“ sage, habe ich mehr Zeit zum Kochen, Wandern und für die Familie. Und meistens habe ich dann auch Umzugskartons, Frau Berger und Susanne ganz schnell vergessen.

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