Es war Sommer…

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Erinnerungen an sommerliche Ereignisse aus den 50er-Jahren

Sommer, Sonne und Sonnenschein gab es auch in den 50er Jahren (pixabay.com)

Sommer, Sonne und Strand. Eisbecher, Erdbeerkuchen und Eiskaffee. So kann der Sommer sein. Aber auch ganz anders. Manchmal trifft auch die große Weltgeschichte mit den kleinen Geschichten des Alltags zusammen. Mitten im Sommer. Das habe ich bemerkt, als ich Menschen über ihre 50er-Jahre befragt habe.

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Zum Beispiel bei Karin. Sie lebte als Kind in Berlin. An einem heißen Sommertag erschrak sie: „Mein Hase Henry ist verschwunden.“ Aber – ihr Vater schien sich dafür nicht zu interessieren. Er saß im Wohnzimmer und hörte irgend so einen Radiosender.

Erst später merkte Karin: Ihr Hase Henry ist im Anschluss nicht in die Geschichtsbücher eingegangen – aber der Volksaufstand der DDR, den ihr Vater im Radio verfolgte. Von diesem Volksaufstand redet man heute noch. Tja – wenn kindliches Denken und Weltgeschichte zusammen trifft. Übrigens: Karins Hase ist wieder aufgetaucht. Er saß in Nachbars Garten und knabberte an dessen Salat.

Auch Hermine aus Singen hatte ihre persönlichen Sommer-Erinnerungen vor Augen. Die zierliche Frau hatte eine Kriegsverletzung. Und in großen Menschenmassen konnte sie sich nicht durchsetzen. Dann passierte genau das, was als „Wunder von Bern“ in die Geschichte einging. Im Sommer 1954 wurde Deutschland Fußball-Weltmeister. Und die Nationalspieler fuhren auf dem Rückweg durch Hermines Heimatstadt. Hermine war beeindruckt davon, dass Helmut Rahn Deutschland mit dem 3:2 gegen Ungarn zum Weltmeister machte. Aber noch mehr beeindruckte sie Günter. Der Feuerwehrmann aus Singen trug die zierliche Frau auf seinen Schultern durch die Menschenmassen zum Gleis. So konnte sie den Helden der Nationalmannschaft zujubeln, als sie in Singen vorbeikamen. Zum Wunder von Bern kam ein Wunder für Hermine.

Uli Zeller: Unsere 50er Jahre (Bild: Schlütersche)

Diese Geschichten haben mir Zeitzeugen erzählt. Ich habe sie befragt, wie sie denn das Wirtschaftswunder-Jahrzehnt erlebt haben und was ihre Höhepunkte waren. Dabei ist das Buch entstanden „Unsere 50er-Jahre. Heitere Vorlesegeschichten für Senioren.“ Darin finden sich noch viel mehr solcher Begegnungen und Geschichten – und die entsprechenden Hintergrundinformationen. Was mich dabei am meisten begeistert hat, waren nicht die „großen“ Geschichten – etwa der Sieg der deutschen Nationalmannschaft oder der Volksaufstand der DDR. Sondern die „kleinen“ Ereignisse am Rande. Eben: Wie hat das Hermine aus Singen erlebt? Und Karin aus Berlin? Tja, so unterschiedlich können Erinnerungen sein. Und so verschieden kann man den Sommer erleben. Ich schließe diese Kolumne mit einer weiteren persönlichen Geschichte aus den 50er-Jahren, die ich in diesem Buch festgehalten habe.

Es geht darin um einen Sommerurlaub. Jutta war mit ihren Eltern in Italien. Das war ja das beliebteste Reiseland der Deutschen. Und Jutta ist da ein kleiner Hund zugelaufen. Sie nannten ihn „Franco“. Ein weißer Pudel mit drei schwarzen Pfoten. Jeden Tag hat er Jutta und ihre Eltern am Strand besucht. Kind und Hund wurden richtig gute Freunde. Trotz allen Bittens durfte die kleine Jutta ihren neuen vierbeinigen Freund am Tag der Abreise nicht nach Hause nehmen. Aber Franco war nicht dumm. Er konnte in die Luke des Gepäckfaches im Bus klettern. Und so konnte Jutta ihren vierbeinigen Freund in Deutschland wieder in die Arme schließen.

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