Uli & die Demenz: Ein Sommer in den Bergen

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Erinnerungen an die Kindheit anstoßen

Was dem einen der Sommer am Meer, ist dem anderen der Sommer in den Bergen (Bild: pixabay.com)

Als ich ein kleines Kind war, bin ich oft mit meinen Eltern wandern gegangen. Das heißt: Genau genommen sind meine Eltern mit mir wandern gegangen. Ich hatte nämlich nicht so viel Lust dazu. Aber dennoch haben sich die Bergtouren als schöne Erlebnisse bei mir eingeprägt. Der Blick in den Rückspiegel des Lebens lässt so manche Erinnerungen verklärt erscheinen. So erinnere ich mich heute noch an eine abenteuerliche Hüttenwanderung durch den Nebel – nur sehr knapp haben wir abends noch die Hütte gefunden. Ich erinnere mich an Andi, der etwa in meinem Alter war. Er war der Sohn einer befreundeten Familie. Unterwegs haben wir richtig viel Blödsinn gemacht. Und ich erinnere mich daran, dass wir ins Schwitzen gekommen sind. Dann stauten wir einem Bach – und hinter dem Staudamm haben wir unsere Hände ins kühle Wasser getaucht. Das hat erfrischt…

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Negative Erinnerungen verklären

Schöne Erinnerungen mit Menschen verklären meine Erinnerungen. An den Muskelkater kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern. Und auch nicht mehr daran, wie sehr die Sonne auf meinen Kopf brannte. Auch weiß ich nicht mehr so genau, welche Gefühle es in mir auslöste, als wir durch den Nebel tappten und die Hütte nicht gefunden haben. Aber ich erinnere mich daran, dass ich mit Andi darüber sprach, wie man am Besten ein Baumhaus baut. Ich erinnere mich daran, wie lustig es war, als einer der Bergfreunde im Matratzenlager so laut schnarchte, dass einer der anderen Bergsteiger sagte: „So ein Schnarchschwein habe ich noch nie gehört.“ Und ich erinnere mich an Papas Freund Lothar. Er war eher klein, hatte aber einen großen Touren-Rucksack. Spöttisch haben diejenigen, die hinter ihm marschiert sind, einmal über den „laufenden Rucksack“ geschmunzelt. Ja, das waren schöne Zeiten in den Bergen. Wenigstens im Rückblick.

Positive Erinnerungen anstoßen

Ältere Menschen haben noch viel mehr Erinnerungen. Manchmal reichen sie zurück bis in die Zeit des Wirtschaftswunders, des zweiten Weltkrieges – oder noch weiter. Natürlich sind da viel negative Erinnerungen dabei. Aber wenn ich mit älteren Menschen rede, konzentriere ich mich eigentlich stets auf ihre schönen Erinnerungen. Da denke ich zum Beispiel an den Mann, der auf der Fahrt in den Urlaub alle fünfzig Kilometer rechts ran fuhr – und seine Frau geküsst hat. Oder an die Frau, die mir von ihrem ersten Urlaub in Italien erzählt hat. Oder ich bringe einen Gegenstand mit, der schöne Erinnerungen anstößt: Einen Wanderstock, ein alter Foto-Apparat oder einen Dia-Projektor. Solche positiven Impulse habe ich gesammelt und ein Buch mit Reise- und Feriengeschichten daraus gemacht. Es trägt den Titel „Frau Schmitt fährt mit“ und will genau dies: Schöne Erinnerungen an den Alltag anstoßen. Auch eine Episode zum eingangs erwähnten Staudamm in den Bergen hat es bis in das Buch geschafft. Ich lese diese Geschichten gerne in der Ferienzeit vor. Und oft freue ich mich darüber, weil die Zuhörer danach selbst ins Erzählen kommen. Und zwar über schöne Erinnerungen.

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