Uli & die Demenz: Gott sei dank

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Das will ich mal ganz bewusst sagen

Einfach mal bewusst dankbar sein, auch für kleine Dinge. (Bild: pixabay.com)

Frau Sander erzählt mir: „Meine Nichte war im Urlaub. Sie kletterte auf einen Berg. Und dann stürzte sie.“
„Oh weh“, erschrecke ich. „Ist ihr etwas passiert?“
„Naja. Es ging noch“, erklärt Frau Sander. „Es hat ihr im Knie gestochen. Aber es war nichts gebrochen. Sie kam – humpelnd und mit Schmerzen – wieder heil unten an. Und am nächsten Morgen hat sie fast nichts mehr bemerkt.“
Ich bin erleichtert und sage: „Gott sei dank.“

Noch mehrmals an diesem Tag sage ich diese drei Worte: „Gott sei dank.“ Zum Beispiel, als ich mit meinem Auto einen Stein streife – und dann sehe, dass der Wagen nur einen Kratzer abbekommen hat. Oder als ich doch noch Karten für das Konzert bekomme – von dem ich dachte, es sei schon ausverkauft. „Gott sei dank!“

„Gott sei dank.“ Ich benutze diese drei Worte, um alle möglichen und unmöglichen Ereignisse zu kommentieren. Und manchmal benutze ich sie auch ziemlich gedankenlos.

Eine Zeit, in der ich bewusst „Danke“ sagen kann, ist der Sommer: Gott sei dank.
Draußen blüht alles. Es leuchtet in bunten Farben aus den Gärten: Gelb und grün und rot. Und wenn nach einigen heißen Tagen wieder ein Regenguss die Luft reinigt und den Staub von den Straßen spült, kann ich aufatmen und sagen: „Gott sei dank.“

Im christlichen Kirchenjahr gibt es sogar ein Fest, das sich dem Thema Dankbarkeit angenommen hat: Erntedank. In vielen Kirchen werden Gabentische aufgebaut. Mit Sonnenblumen und Dahlien, mit Kartoffeln und Zwiebeln, mit Tomaten und Gurken – und mit einem frisch gebackenen Brot. Da kann ich wirklich mal sagen: Gott sei dank!

Uli Zeller: Frau Krause macht Pause (Bild: Brunnen Verlag)

Ein Junge hat einmal seine Nachbarin im Garten beobachtet. Sie hat geerntet. Und die Frau war ziemlich glücklich über ihr Obst und Gemüse. Der Junge hat gestaunt und gefragt: „Hast du das denn alles selber gemacht?“ Da hat die Frau geantwortet: „Nein. Ich kann nur ernten. Gemacht hat alles der liebe Gott.“ Diese Geschichte stammt übrigens aus meinem Buch „Frau Krause macht Pause. Andachten zum Vorlesen für Menschen mit Demenz“.

Wer keine Gelegenheit haben, dieses Jahr an einen Erntedank-Gottesdienst zu gehen, kann auch zuhause mal für die Ernte danken. Das geht ganz einfach. Öffnen Sie die Vorratskammer. Oder den Kühlschrank. Schauen Sie den Inhalt genau an. Riechen Sie daran. Und dann sagen Sie: „Gott sei Dank.“