Uli & die Demenz: Die Brille des Wohlwollens

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Vier Schritte zu einer entspannten Kommunikation mit Menschen mit Demenz

Manchmal sind die vermeintlich einfachen Dinge am schwersten. (Bild: pixabay.com)

„Rolf hat schon wieder in die Ecke des Wohnzimmers gepinkelt“, ärgert sich Frau Frisch über ihren dementen Partner. Die Kunst liegt nun darin, angemessen darauf zu reagieren. Wie bleibe ich entspannt oder werde es wieder?

Wer entspannt kommunizieren möche, sollte den anderen nicht mit seinen Worten erschlagen. Wertschätzende Äußerungen können in vier Schritten gelingen:

  1.  Wahrnehmen, was ist – ohne es zu bewerten
  2. Wahrnehmen, wie es mir geht
  3. Wahrnehmen, warum es mir so geht
  4. Konkrete Handlungsstrategien entwickeln

Ein schlechtes Beispiel

Schlecht wäre, einfach los zu schimpfen, zum Beispiel:

  • „Schon wieder hast du alles dreckig gemacht“ (Das wäre eine Wahrnehmung mit Bewertung).
  • „Ich bin stinksauer“ (Das wäre eine ungefilterte Entladung der Emotion)
  • „Wann kapierst du endlich, dass es so nicht geht?“ (Das wäre ein Vorwurf, statt hilfreichem Handeln).

Das Problem
Menschen mit Demenz sind in dieser Situation überfordert. Rolf zunächst, weil er die Toilette nicht gefunden hat. Und dann kann er mit den Vorwürfen gar nichts anfangen. Er hat es ja eigentlich sogar gut gemeint. Darum hat er ja in die Ecke gepinkelt – und nicht mitten in den Raum oder auf den Esstisch.

Besser reagieren

Zuerst einmal ist es gut, nicht gleich zu reagieren. Erstmal durchatmen. Vielleicht gehen Sie sogar kurz aus dem Raum. Ein Stoßgebet wirkt in dieser Situation oft schon kleine Wunder. Dann:

  • Wahrnehmen, was ist – ohne es bewerten: „Aha, eine Pfütze auf dem Boden.“
  • Wahrnehmen, wie es mir geht: „Ich rege mich auf.“
  • Wahrnehmen, warum es mir so geht: „Es ist nicht das erste Mal. Jeden Tag passiert das. Manchmal mehrmals täglich.”

Konkrete Handlungsstrategien entwickeln

Dazu können Sie sich Zeit nehmen und einfach mal alle Ideen aufschreiben, die Ihnen einfallen. Davon können Sie die Beste umsetzen – und alle anderen verwerfen. Hier nur einmal einige Beispiele in Bezug auf Rolf und die Pfützenproblematik, die mir spontan einfallen – Ihnen kommen sicher noch bessere Ideen:

  • Informieren Sie sich über Inkontinenzsysteme.
  • Machen Sie einen Toilettengang alle zwei Stunden. Das verhindert vielleicht Schlimmeres
  • Wenn Rolf es ablehnt, mit Ihnen auf die Toilette zu gehen oder sich die Hosen frisch machen zu lassen – fragen Sie sich: Wer könnte helfen?
  • Die Nichte einer Nachbarin ist Krankenschwester. Vielleicht fällt der noch eine gute Idee ein. Fragen Sie doch mal …
  • Wieso nicht das tun, was die Werbung rät: Fragen Sie einmal Ihren Arzt oder Apotheker.
  • Lassen Sie sich von einem ambulanten Pflegedienst beraten.
  • Fragen Sie einmal in einem Sanitätshaus nach.