Uli & die Demenz: Kunde contra Klient

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…und wie man Pflegeempfänger noch bezeichnen kann

Fragezeichen
Für Menschen mit Pflegebedarf gibt es die unterschiedlichsten Bzeichnungen. Welche ist die richtige? (Bild: pixabay.com)

Pflege-Empfänger, Kunde, Klient oder Patient? Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller sinniert über die verschiedenen Bezeichungen von Menschen, die in Altenheimen leben und auf Pflege angewiesen sind. In Deutschland sind das derzeit rund 700.000 Menschen. Aber: Wie nennt man sie am Besten? Wer das nur für Wortklauberei hält, sollte diese Kolumne nicht lesen. Das wäre für ihn Zeitverschwendung.

Der Pflegeempfänger

Pflegeempfänger. Das klingt für mich sperrig und umständlich – und es entsteht kein richtiges Bild vor meinen Augen. Es hört sich so ähnlich wie Harz-4-Empfänger an. Oder wie Welt-Empfänger. Bei ersterem sehe ich vor meinem inneren Auge einen alten Mann mit gebeugtem Gang und abgewetztem Sakko aus dem Second-hand-Laden. Bei letzterem ein rauschendes Radiogerät aus analogen Zeiten. Der demente Greis – lediglich Pflege-Empfänger?

Der Kunde

Kunde. Da denke ich an Wirtschaft, Aktien und Börsenkurse. Ich sehe einen Menschen vor mir, der an der Kasse steht und etwas kauft. Es geht darum, eine Leistung zu erhalten. Und dafür zu bezahlen. Dann fällt mir noch ein Wort mit „Kunde“ ein: Kundendienst. Das ist, wenn der Mechaniker am Auto die scheppernden Teile wieder anschweißt. Der alte Mensch im Heim – nur ein Kunde?

Der Klient

Klient. Vor meinem inneren Auge sehe ich zwei Menschen sich gegenübersitzen. Der eine ist der Anwalt und weiß Bescheid. Gegenüber sitzt der Klient. Der weiß nicht so genau Bescheid. Muss aber am Ende umso mehr für sein Nichtwissen bezahlen. Klient – irgendwie passt auch dieser Begriff für mich nicht so zur Wirklichkeit im Altenheim.

Der Patient

Patient. Das erinnert mich vor allem ans Krankenhaus. Ich sehe ein viel zu weißes Krankenhauszimmer vor mir. In der Ecke ein viel zu weißes Bett. Mit einem dreieckigen Bett-Galgen. Darin liegt ein armer Tropf. Ein Patient eben. Er hat Arme und Beine eingegipst. Natürlich im strahlenden weiß. Patient – dieses Wort finde ich auch nicht geeignet.

Für mich sind diese Begriffe alle nicht so richtig passend. In dem Haus, in dem ich arbeite, sprechen wir von „Bewohnern“. Ich kann mit dieser Umschreibung leben. Kann sein, dass ich sie sogar gut finde. Vielleicht habe ich mich in den letzten Jahren aber auch einfach nur daran gewöhnt und bin beriebsblind. Weil ich so oft den Begriff „Bewohner“ geschrieben und gesagt habe. Ich halte „Bewohner“ also für eine passable Umschreibung. Aber ich glaube, „Bewohner“ ist noch nicht der genialste und treffendste Ausdruck.

Ich suche für den Altenheim-Bewohner noch einen Begriff, der…

… sich nicht darauf beschwänkt, mein Gegenüber als abhängig darzustellen
… nicht allzu wirtschaftlich und materiell klingt
… zugleich Nähe und Distanz ausdrückt
… ein positives Bild in mir weckt
… gut klingt

Sollte ich jemals ein geeignetes Wort gefunden habe, werde ich es hier weitergeben.

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