Uli & die Demenz: Der Ofen ist aus, Olaf!

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Kommt er oder kommt er nicht?

Wärme tut gut. Ungewissheit hingegen kann quälend sein. Der Ofen ist schneller aus, als man denkt. (Bild:pixabay.com)

Unsere Heizung hat den Geist aufgegeben. Nach 17 Jahren treuem Dienst. Jetzt sitzen wir im alten Bauernhaus. Meine Frau, unser kleines Kind und ich. Und nun?

Rettung muss her. Ich rufe beim Heizungsbauer an: „Olaf, der Ofen ist aus. Kannst du kommen? Bitte.“ Olaf kommt. Und schnell stellt sich heraus: Die komplette Heizungsanlage muss erneuert werden.

Bald ist alles besprochen. Ich gebe eine Unterschrift.

Wir vereinbaren einen Termin: „Gleich am Montag komme ich.“ Der Montag kommt. Aber Olaf kommt nicht.

Und er ist auch nicht erreichbar. Gefühlte 23 Handyanrufe. Olaf geht nicht dran. Gefühlte 156 Whatsapp-Nachrichten. Olaf reagiert nicht.

Der Dienstag kommt. Kein Olaf in Sicht.

Am Mittwoch wieder keine Reaktion. Dann, endlich: Olaf meldet sich. Er verspricht erneut: „Morgen komme ich.“

Irgendwann dann endlich, nach vielen weiteren Ermhnungen macht Olaf seine Arbeit… und als die Therme endlich montiert ist, fällt mir ein Stein vom Herzen.

Warum habe ich mich eigentlich so aufgeregt?

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Bald komme ich drauf. Was mich so sehr zermürbt hat war die Tatsache, dass wir so ausgeliefert waren. Die oben geschilderten Tage waren nur ein Ausschnitt von insgesamt fast drei Wochen. Drei Wochen frieren, planen, Termine schieben, organisieren, Zusagen erhalten und versetzt werden.

Kommt Olaf oder kommt er nicht? Macht er seine Arbeit oder lässt er uns wieder sitzen? Hält er sich an seine Termine oder nicht?

Menschen mit Demenz haben keine Wahl

Im Fall unserer Heizung ist das letztlich nur ein bisschen schlimm. Sie funktioniert wieder. Und beim nächsten Schaden mache ich mich auf die Suche nach einem zuverlässigeren Heizungsbauer. Für Olaf ist bei uns der Ofen aus. Nächstes Mal probieren wirs bei Kachelofen-Klaus, Heizungs-Hans oder Pellet-Peter. Wie schön – ich lebe in einem freien Land und bin ein freier Mensch. Ich kann wählen, wer in mein Haus und an meine Heizung kommt.

Bei Menschen mit Demenz ist das anders. Sie haben keine Wahl. Sie müssen froh sein, wenn jemand zu ihnen kommt. Sie sind den Stimmungen ihres Personals ausgeliefert. Sie können nicht sagen: „Wenn der Demenz-Dieter schlechte Laune hat, dann kommt halt der Alzheimer-Alfred.“ Das will ich mir immer wieder bewusst machen. Die mir anvertrauten Menschen im Pflegeheim können mich nicht so einfach abwählen. Und da ich mich mit Heizungen nicht auskenne, probiere ichs halt mit Herzenswärme.

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