Transparenz, Fairness und Qualität: 24-Stunden-Pflege neu gedacht

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Wie ein Startup eine ganze Branche verändern will

 
Ein neuer Standard soll die 24-Stunden-Pflege besser machen (Bild: Mecasa)

Die 24-Stunden-Pflege genießt einen zweifelhaften Ruf. Das ist kein Wunder, denn viele schwarze Schafe tummeln sich auf dem Markt. Beim Stuttgarter Start-Up Mecasa ist man überzeugt, dass sich häusliche Betreuung bedarfsgerecht, verbraucherfreundlich und fair für alle Beteiligten gestalten lässt. Verbindliche Standards sollen das in Zukunft möglich machen. Im Fokus stehen die bislang oftmals unzumutbaren Arbeitsverhältnisse, die mangelhafte Versorgungsqualität und rechtliche Unsicherheiten. Wir haben mit Geschäftsführer Oliver Weiss über die neue DIN gesprochen.

Von der Idee zum Standard

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Standard für die 24h-Pflege zu entwickeln?

Es war 2018 auf einer Start-up Messe in Berlin. Dort sprach uns eine Dame an und erzählte uns vom DIN Connect Programm. Es war nach unserem Vortrag zur häuslichen Pflege und einer Show-Einlage in der Opa Otto und Enkel Emil über den Pflegealltag berichteten.

Wie ging es danach weiter?

Anfangs waren wir skeptisch, setzten uns aber immer mehr mit der Idee auseinander. Schließlich entschieden wir uns, die Unterlagen für die Bewerbung einzureichen. Nach ausführlicher Prüfung und einem persönlichen Treffen in Berlin wurde unser Projekt genehmigt.

Den Markt umkrempeln

Was gab den Ausschlag für diese Entscheidung?

Wir sahen darin die Chance, den Markt der 24-Stunden-Pflege durch Betreuungskräfte aus dem Ausland umzukrempeln. Wir wollten für mehr Transparenz, Fairness und Qualität in diesem Bereich sorgen.

Wann begann die konkrete Umsetzung?

Von der ersten Idee bis zum Kick-off verging noch fast ein Jahr. Zur ersten Sitzung im Juni 2019 kamen 12 Personen. Darunter Ministerialbeamte, Wissenschaftler, Verbrauchervertreter und auch Wettbewerber von Mecasa.

Geschäftsführer Oliver Weiss ist einer der Entwickler des neuen Standards (Bild: Mecasa)

Aller Anfang ist schwer

Wie verlief das erste Treffen?

Die erste Sitzung verlief zäh und war geprägt von taktischen Manövern. Keiner wusste was abgeht und jeder wollte der Heilsbringer sein. Am Ende wurde ich zum Leiter des Gremiums gewählt.

Gab es Hürden bei der Entwicklung des Standards?

Mehrere Personen verließen das Gremium bereits nach der ersten Sitzung wieder, dafür kamen neue hinzu. Mit der zweiten Sitzung begann die eigentliche Arbeit. Über 1,5 Jahre fanden sage und schreibe 19 Sitzungen statt. Anfangs persönlich, später online. Es wurde diskutiert, gestritten und am Ende immer wieder ein Konsens gefunden.

Was bespricht man denn in so einer Sitzung?

Es wurden zum Beispiel Anforderungen an Betreuungskräfte, Einsatz und Einsatzort definiert. Später kamen Vorgaben für Vermittlungsunternehmen in Deutschland, Dienstleistungserbringer im Ausland und Verträge mit Kunden hinzu.

Welchen Anteil hatte Mecasa an der Entwicklung des Standards?

Mecasa prägte die Entwicklung des Standards und der Standard prägte Mecasa. Viele der beschlossenen Inhalte setzten wir innerhalb kürzester Zeit selbst um.

Mit gutem Beispiel voran

Kannst du mir ein Beispiel für die Umsetzung bei Mecasa nennen?

Etwa die Vorgabe, dass ausgebildete Pflegefachkräfte für die Kundenberatung zur Verfügung stehen müssen. Mittlerweile ist dieser pflegefachliche Fokus Kern der Identität von Mecasa.

Werdet ihr euch selbst zertifizieren lassen?

Mecasa wurde bereits Ende Januar von der Dekra Certification als erstes Unternehmen nach diesem Standard zertifiziert. Wir sehen uns als Pioniere, die endlich für mehr Fairness, Transparenz und Versorgungsqualität in der häuslichen 24-Stunden-Pflege sorgen!

Das Team von Mecasa will für faire Bedingungen in der 24-Stunden-Pflege sorgen (Bild: Mecasa)

Die DIN SPEC 33454 wurde am 22.01.2021 veröffentlicht und kann kostenlos heruntergeladen werden. Zusätzlich informiert die Website www.pflege-standard.de über die Inhalte des DIN-Standards.

 

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Christian Hübner hat die integrative Pflegeausbildung nach dem Stuttgarter Modell© absolviert. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger und Altenpfleger, arbeitet aktuell in der Behindertenhilfe und studiert berufsbegleitend Pflegewissenschaft an der Universität Witten-Herdecke.