Warum Schulungen scheitern

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Sieben Regeln der Lernpsychologie

Eine gute Schulung ist nicht ganz einfach zu machen. Viel zu oft sind Pflege-Fortbildungen zu langweilig strukturiert.

Gähnen, spielen mit dem Stift, leere Blicke. Diese Atmosphäre findet sich in vielen Pflege-Schulungen nicht nur wegen der stickigen Zimmerluft. Weiterbildungsexpertin Kerstin Stengel beschäftigt sich als Marketingleiterin bei Skillsoft, einem weltweit agierenden Marktführer für digitale Weiterbildung, seit langem mit Lernpsychologie. Hier sind ihre sieben Tipps für erfolgreiche Fortbildungen in der Pflege:

  1. Frontalunterricht schafft Abwehr
    Von vornherein stellen sich viele Pflegekräfte auf ermüdende Einzelvorträge ein und schalten ihre Aufmerksamkeit sozusagen auf Energiesparmodus. In der Haltung, seine Zeit nicht sinnvoller investieren zu können, sondern sich Theorie antun zu müssen, ist die Abneigung programmiert. Interaktives Lernen durch Diskussionen oder E-Learning, auf das der Pflegende auch mobil zugreifen kann, regt das Interesse und damit die Lernbereitschaft dagegen an – somit steigt auch der Erfolg.
  2. Trockene Inhalte langweilen
    Frontal vermittelter Stoff lässt sich schwer aufpeppen, während Spaß und Dialog den Lerneffekt fördern. Spannend vermittelter Stoff sollte oberste Priorität haben, nicht etwa die reine Vollständigkeit des Inhalts. Denn was nützt ausgeklügelte Theorie, wenn sie in der Praxis nicht lebt? Der Inhalt muss also Kopf und Herz der Teilnehmer erreichen, damit diese die Relevanz des Wissens für den Berufsalltag erfassen. Reines Auswendiglernen verfehlt dieses Ziel zumeist.
  3. Lerngruppen verändern sich
    Dieselbe Schulung wie die vorigen Jahre für die neuen Pfleger und Pflegerinnen – dieses Konzept kann täuschen: Die Arbeitswelt entwickelt sich weiter, Beispiele verlieren ihre Relevanz, Teilnehmer setzen sich soziostrukturell anders zusammen. Weil Weiterbildung viel Zeit und Geld kostet, beschädigen Inhalte, die für bestimmte Mitarbeiter nicht relevant sind, das Ziel der Schulung und die Motivation der Betroffenen.
  4. Schulungserfolg messbar machen
    Wer die Bildungsdefizite nicht systematisch erfasst, kann weder Ziele klar definieren noch Lücken punktgenau schließen. Eine Schulung ist also dann effektiv, wenn messbare Parameter vorliegen, die temporär überprüft werden. So haben beide Seiten, Arbeitgeber und -nehmer, eine Effizienz- und Lernkontrolle, die auch Methoden und Trainer vergleichbar macht.
  5. Sinn der Veranstaltung kommunizieren
    Altenpflegekräfte sind mündige Bürger, die umso motivierter lernen, je transparenter Notwendigkeit, Ziele, Erwartungen und Bedürfnisse aller Beteiligten präsent sind. Dann sehen Teilnehmer in der Schulung mehr ihre persönliche Chance statt die lästige Pflicht. Entsprechend motiviert bringen sie sich ein, wo andere allenfalls körperliche Präsenz zeigen und innerlich im Widerstand sind.
  6. Individualität Raum geben
    So unterschiedlich die Charaktere der Pflegekräfte sind, so vielfältig sind die Wege zum Erfolg. Eine breite methodische Klaviatur erreicht alle Lerntypen, weshalb etwa auch Diskussionen, Rollenspiele oder andere Übungen ihren Raum haben sollten. Ein weiterer positiver Effekt des aktiven Lernens ist die Teamstärkung durch Interaktion.
  7. Dynamische Schulungsverträge
    Verträge über mehrere Jahre mit demselben Anbieter machen den Beschaffungsprozess effektiv. Den Effekt, Lernkonzepte weiterzuentwickeln, begünstigen sie in der Regel nicht. Durch Vereinbarung sollte also sicherstellen, dass Schulungen immer weiter individualisiert, spezifiziert und aktualisiert werden, um Einrichtungsziele treffsicher zu erreichen.

2 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank für den Artikel. Für die Vermittlung des Wissens an Pflegepersonal ist Relevanz extrem wichtig. Veraltete Beispiele vermitteln schnell das Gefühl man könne da nichts lernen. Ein ganz wichtiges Thema!

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