Von der Pflege in den Chefsessel

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Karrieren im Gesundheitswesen

Mit nebenberuflicher Weiterbildung die Karriereleiter nach oben steigen. (Foto: Fotolia)

Krankenschwester oder Altenpfleger sind körperlich anstrengende Berufe, bei vergleichsweise mäßiger Bezahlung. Als Heimdirektor oder Qualitätsmanager steigt das Gehalt. Und wer der körperlichen Arbeit nicht mehr gewachsen ist, kann so als Experte trotzdem in der Branche bleiben. Es gibt verschiedene Wege, sich für die Chefetagen im Gesundheitswesen zu qualifizieren.

Tamara Hergenröther ist Quereinsteigerin. Die gelernte Kosmetikerin entscheidet sich nach ihrer Elternzeit für eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Im Anschluss holt sie an der Berufsschule in Heilbronn noch ihre Fachhochschulreife nach. Den Plan zu studieren gibt die vierfache Mutter auf.

Nebenberuflich Weiterbilden im IHK Zentrum

Sie fängt in einem Sanitätshaus  an, das ein Büro für Pflegeberatung eröffnet hat. Dort nimmt Hergenröther das Angebot ihres Chefs an: Beim IHK Zentrum für Weiterbildung in Heilbronn absolviert sie nebenberuflich den Lehrgang zur geprüften Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen. Der von ihrem Arbeitgeber finanzierte Kurs dauert 18 Monate. In 620 Unterrichtsstunden werden neben VWL, BWL, Steuern und Controlling juristische Themen, wie das Pflegegesetz behandelt.

Alternative zum Studium

Tamara Hergenröther besteht die IHK-Prüfung, der Liebe wegen ist die 47-Jährige inzwischen nach Sachsen gezogen. Dort arbeitet sie mit ihrer Expertise ein neues Pflege-Projekt des Deutschen Roten Kreuzes aus. „Den Beruf mit einer Weiterbildung zu kombinieren, statt zu studieren, war für mich im Nachhinein der bessere Weg“, ist sie sich sicher.

Berufspraxis und Weiterbildung als Weg zum Erfolg

Simone Stargardt, Expertin für Weiterbildung, bestätigt das: „Sich nach einer Lehre nebenberuflich fortzubilden, ist eine gute Alternative zum Studium“, erklärt die Geschäftsführerin der privaten Akademie carriere & more, die Kurse im Gesundheitswesen anbietet. Viele ihrer ehemaligen Schüler haben es inzwischen ins mittlere Management geschafft. „Wer sich neben dem Beruf fortbildet zeigt, dass er sich strukturieren kann und diszipliniert ist. Das wissen zukünftige Chefs zu schätzen“, so Stargardt. Zudem sei die vorhandene Berufspraxis wertvoll und wird im Gesundheitswesen bei Führungskräften vorausgesetzt.

Karriersprung durch Weiterbildung

Nebenberufliche Weiterbildung hat auch Anja Sochor zu einem Karrieresprung verholfen: Sie ist Meisterin der städtischen Hauswirtschaft und wird dank dieser Qualifikation Hauswirtschaftsleiterin bei der evangelischen Heimstiftung. Als dort die Hausdirektion neu besetzt werden muss, spricht die Regionalleiterin Anja Sochor an. „Aufgrund meines Meistertitels und meiner Berufserfahrung hat sie mir den Posten zugetraut“.

Traineeprogramm inklusive

Die Ludwigsburgerin bekommt die Stelle. „Damit verbunden ist ein zweijähriges Traineeprogramm“, erzählt Sochor. In Gruppen bis zu zwölf Teilnehmern werden Kommunikations-, Team- und Führungsfähigkeiten trainiert. Der Lehrplan enthält ferner für jeden Trainee individuelle Elemente: Weil der Hauswirtschaftsmeisterin Grundkenntnisse in der Pflege fehlen, hospitiert sie bei einer Pflegedienstleiterin.

Trainee statt Student

Solche Traineeprogramme bauen Führungsnachwuchs auf. Größere Pflegehäuser bieten diese vor allem Hochschulabgängern an. Ein Studium ist allerdings kein Muss, weiß Bildungsfachfrau Stargardt: „Auch Bewerber, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und sich weiter qualifiziert haben, werden gerne genommen“.

Nachwuchs aus eigenen Reihen

Gerade Pflegeeinrichtungen rekrutieren ihren Führungsnachwuchs sehr häufig aus den eigenen Reihen, berichtet Jannis Eppinger, der bei den SLK Kliniken Heilbronn für das Bewerbermanagement zuständig ist. Karrierechancen gibt es dort nicht nur für Pflegekräfte: Eine Mitarbeiterin der zentralen Gehaltsabrechnung bereite sich aktuell nach ihrem Personalfachwirt auf die IHK-Prüfung zum Betriebswirt vor.

IHK oder private Anbieter

Wer sich nebenberuflich zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen qualifizieren will, der kann das bei IHK-Bildungseinrichtungen oder privaten Akademien tun. Je nach Anbieter dauert der Kurs zwischen sechs und 18 Monaten. Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene Ausbildung mit mindestens einjähriger Berufserfahrung. Wenn der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt, können Interessenten beim Landratsamt Meister-Bafög beantragen.

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