Klänge, die wirken

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Klangschalentherapien verringert Medikamente und lindert Schmerzen.

Eine Frau genießt die Klänge der Schalen (Foto: Fotolia)

Im gedimmten Raum sind langanhaltende Klänge zu hören. Eine Gruppe von Senioren hat sich im Raum verteilt und liegt entspannt zwischen Kissen und Decken. In ihren Händen oder auf ihren Körpern liegen Schalen, die Klangpädagogen immer wieder erklingen lassen.

Klänge helfen auf unterschiedliche Art

Wer den eigenen Körper besser wahrnimmt und seine Sinne schärft, beugt Stürzen vor, stärkt das Immunsystem oder fördert die Regenerationskraft des Körpers, sagen Befürworter dieser Therapieform. „Durch die Klangtherapie konnte ein Demenzpatient nach zwei Jahren sogar wieder sprechen“, sagt Klangpädagogin Rosemarie Bleil, „was selbst mich nach jahrzehntelanger Arbeit im Pflegebereich überrascht hat.“

Die Klangschalen können auch sitzend genossen werden (Foto: Privat)

In regelmäßigen Abständen stößt der Klangtherapeut die Gefäße mithilfe eines Gummi- oder Filzschlegels an. Auf den bekleideten Körper, in eine Hand genommen oder sich in eine große Schale hineingestellt, entfaltet die Klangschale ihre Kraft. Daraufhin schwingen die Klänge durch die jeweils behandelten Extremitäten.

Die Klangschalen stehen in den Startlöchern

Forscher vermuten die Herkunft der Klangschalen im Indischen, die seit Längerem auch den Westen erreicht haben. Ärzte und Physiotherapeuten entdeckten den Nutzen der Metallschalen neu und wenden sie im Wellnessbereich und in der Therapie an. Chronische Krankheiten, Parkinson, Demenz, Tinnitus sind nur ein Bruchteil der Krankheiten, die mit der Klangtherapie zu behandeln sind.

Rosemarie Bleil während einer Klangschalentherapie (Foto: Privat)

In der Pflege ist die Therapieform noch selten, da Fördergelder aufgrund mangelnder Forschungsergebnisse ausblieben. Heute gibt es Stiftungen, wie das Kuratorium Deutsche Altershilfe, die Inhausschulungen finanziell unterstützen. Versandhändler, wie die Dusyma haben den Markt für das Schärfen der Sinne im Alter entdeckt. Eigentlich liegt das Augenmerk der Firma auf Spielzeug für den Kindergarten, inzwischen hat der Süddeutsche Familienbetrieb seniorengerechte und sinnesfördernde Artikel, wie Klangschalen im Sortiment.

„Die Klangtherapie ist im Kommen“, ist sich Bleil sicher. Als ehemalige Pflegerin weiß sie, worauf es ankommt: Muskeln, Sehnen, Faszien, Gewebe und das seelische Befinden würden stimuliert und der Körper in eine Art Trance versetzt, was ihn entspannt.

Körper und Geist

„Der Körper ist nicht von der Seele getrennt zu sehen“, sagt die ehemalige Pflegedienstleiterin. „Lange Zeit arbeitete ich als Palliativkraft, was mir das Zusammenspiel von Körper und Geist verdeutlichte.“ Studien des Peter-Hess-Instituts ergaben: Patienten nehmen weniger Medikamente ein, wenn sie mit Klangschalen behandelt werden. Von Psychopharmaka bis hin zum Abführmittel, die Einnahme verringerten sich bis zu 45 Prozent.

Als freiberufliche Klangpädagogin gibt Bleil ihre Methoden an Senioreneinrichtungen, Altenpflegeschulen und an Angehörige weiter. Kritiker aber bemängeln fehlende wissenschaftliche Belege sowie teils horrende Stundensätze der selbsternannten Therapeuten. Bleil nimmt es gelassen: „Der eigene Wille und die eigene Einstellung sind für das Gelingen der Therapie sehr wichtig.“

Zur Zeit sind einige Untersuchungen zu dem Thema Klangtherapie am laufen. Wer sich für Studien,Umfragen und weitere Themen interessiert, findet auf der Homepage des europäischen Fachverbandes für Klangmassagen Informationen über die Wirkung von Klängen.

 



Hendrik Stüwe (Jahrgang 1991) Ist Pflegebibel Redakteur, gelernter Industriekaufmann, Fotograf und Journalist. Gesundheits- und Management-Themen sowie aktuelle Ereignisse aus der Pflege sind seine Spezialgebiete. Damit ist der ehemalige Fitnesscoach auch in anerkannten Arzt-, Physio- und Fitness-Magazinen unterwegs.

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