Bonusheft: Rabattmarken für den Zahnarzt-Besuch

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Das Bonusheft motiviert zum Zahnarztbesuch

Der Bonus lohnt sich bei einem Zahnersatz. (Foto: Fotolia)

Die Deutschen haben laut Studie der Bundsärztekammer eine überdurchschnittliche Mundgesundheit. Doch die Qualität der Beißerchen nimmt mit dem Alter ab. Was seit 1989 funktioniert: Mit dem Bonusheft gehen die Menschen motivierter zum Zahn-Doktor. Der Grund ist psychologisch.

Bonusheft lohnt sich

Harald Schrader: “Die Mungesundheit hat sich in Deutschland stark verbessert. Das Bonusheft trägt seinen Teil dazu bei.” (Bild: FVDZ)

„Ein bisschen Psychologie ist eben immer dabei“, schmunzelt Harald Schrader, Bundesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ). Das Bonusheft sollte bei seiner Einführung die Eigenverantwortung der Menschen stärken und sie dazu motivieren, sich selbst um ihre Zähne zu kümmern. Das hat geklappt. Erwachsene, die über fünf Jahre einmal jährlich zur Kontrolle gehen und dieses in ihrem Bonusheft dokumentieren lassen, bekommen von der Krankenkasse im Falle eines Zahnersatzes oder einer Krone zusätzlich zum normalen Erstattungssatz 20 Prozent Bonus. Nach zehn Jahren regelmäßigem Zahnarztbesuch sind es sogar 30 Prozent. Das wären beispielsweise für eine Krone statt 139 Euro Krankenkassen-Anteil schon 181 Euro. Den verbleibenden Anteil müssen die Patienten selbst bezahlen, oder mit einer privaten Zusatzversicherung abdecken. „Das Bonusheft lohnt sich“, sagt Schrader. Er ist bekennender Fan des Belohnungssystems. Bei einer größeren Zahnbehandlung kann der Bonus zwischen 1000 und 1500 Euro ausmachen. Lässt der Patient eine Prophylaxe-Sitzung aus, fängt die Zählung von vorne an.

 

Pflegebedürftige brauchen Hilfe bei der Mundhygiene

Grafik: Bundesärztekammer

Rabatte gibt es nur, wenn Zahnersatz nötig wird

Allerdings bekommen Patienten nur dann etwas geschenkt, wenn wirklich Zahnersatz oder eine Krone nötig werden. Bei den sehr häufigen Zahnfleischproblemen oder normalen Füllungen bringen die Rabattmarken nichts. Und wer regelmäßig nachschauen lässt sowie fleißig putzt und deshalb gesund bleibt, profitiert ebenfalls nicht von den Vorteilen des Heftchens.

„Der Bonus ist gar nicht der eigentliche Anreiz, das Bonusheft fleißig zu füllen“, glaubt Stephan Kranz, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Zahnärzte Verbands DZV. Die eigentliche Belohnung sei schließlich, dass Probleme im Mundraum besonders schnell gefunden und behandelt werden können. Der promovierte Zahnarzt ist nicht traurig drum, wenn immer weniger Patienten Prothesen oder Kronen brauchen. „Unser Berufsziel ist ja schließlich die Mundgesundheit.“

Gesunde bekommen nichts zurück

Zahnärzte-Initiativen setzen sich derzeit dafür ein, das Erfolgsmodell Bonusheft weiter zu verbessern. So wünschen sich die Dentisten, dass auch Paradontosebehandlungen vom Bonusheft profitieren. Außerdem sollten, ähnlich wie bei den privaten Krankenhassen bereits der Fall, Menschen mit gesunden Zähnen belohnt werden.

„Insgesamt kommen wir weg von der Reparatur-Mentalität und mehr hin zu einer Vorsorge-Mentalität“, sagt Schrader, der diese Entwicklung begrüßt. „Irgendwann werden die Studenten an europäischen Universitäten gar nicht mehr lernen, wie man Prothesen oder Kronen fertigt. Weil sie es nicht mehr brauchen“, ergänzt Kranz seine Vision von einer mundgesunden Zukunft.

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Leila Haidar
Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Stuttgart. Sie ist für verschiedene überregionale Tageszeitungen tätig, schreibt für Fachmagazine und beschäftigt sich mit den verschiedensten Themen, darunter Personal, Industrie und Logistik.

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