20 Euro Eintritt für Notfallstationen

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Geldbarriere soll bei überlasteten Notfallstationen Abhilfe schaffen

Notfallstationen bitten zur Kasse (Foto: Fotolia)

Wem am Wochenende oder nach 18 Uhr nicht wohl ist, der sucht Hilfe in der Notfallaufnahme. Diese sind dadurch mitunter völlig überlaufen. Dem soll ein Riegel vorgeschoben werden. Bagatellfälle sollen 20 Euro kosten, Notfälle wie Brüche oder Schlaganfälle bleiben umsonst.

Die Notaufnahmen in Deutschlands Krankenhäusern sind überfüllt. Ärzte beklagen sich über erhöhten Zulauf von Bagatellfällen und sorgen sich um die Versorgung derer, die wirklich Hilfe benötigen. Deshalb fordern Experten eine 20 Euro Notfallgebühr. Wer einen Notfall hatte, bekommt sein Geld zurück. Wem nur die Nase trieft, der zahlt.

Entscheidungen fallen schwer

Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft Claudia Basel warnt vor solch einem Schritt. Schwer erkrankte Menschen mit geringen finanziellen Mitteln, könne dies abschrecken in die Notaufnahme zu gehen. Zusätzlich sei die Unterscheidung zwischen Notfall und Nicht-Notfall schwierig. So ist 39 Grad Fieber bei einem Kind oder bei Senioren anders zu behandeln, als bei einem gesunden Erwachsenen.
Die Gründe für überfüllte Notfallaufnahmen sind unterschiedlich: Sportler verletzen sich auf dem Spielfeld. Eltern, die um die Gesundheit ihres Kindes fürchten. Oder Arbeitnehmer, die Angst haben, dass ihnen Blaumachen angehängt wird, wenn sie am Montag zum Arzt gehen.

Warnung vor Schnellschüssen

Der Vize der Hamburger Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Stephan Hofmeister,  sieht eine Erklärung im „veränderten Körperbewusstsein“ bei Jüngeren. Grund dafür sei unter anderem der Google-Effekt: Jugendliche googlen nach Symptomen und finden in Foren beängstigende Ferndiagnosen. Die Allverfügbarkeit von medizinischen Informationen berge Gefahren und verunsichere, warnen Ärzte.
Verbraucherschützer Kranich weißt außerdem auf überlastete Orthopäden und Neurologen hin, bei denen wochenlang kein Termin zu bekommen sei.
Eine Lösung für das Problem gibt es noch nicht. Öffnungszeiten von Ärzten auszuweiten und Wochenenddienste einzuführen, dürfte das Problem nicht lösen. Abgesehen davon, dass nach einer 60- stündigen Woche die Konzentration der Ärzte nicht gewährleistet werden könne.

Gute Ansätze

Zusätzliche „Notfallkosten“ helfen nur eingeschränkt gegen überfüllte Wartezimmer, verursachen viel Bürokratie und bergen die Gefahr, dass Erkrankte nach Einkommen klassifiziert werden.
Ein kleiner Lichtblick hingegen, sind hausärztliche Notfallversorgungen. Das Hamburger Marienhospital mit ihrem häuslichen Notfalldienst und der Notfalldienst der KV machen es vor. Die KV bietet einen mobilen bundesweiten Notarzt an und besucht Haus und Heim.

 



Hendrik Stüwe (Jahrgang 1991) Ist Pflegebibel Redakteur, gelernter Industriekaufmann, Fotograf und Journalist. Gesundheits- und Management-Themen sowie aktuelle Ereignisse aus der Pflege sind seine Spezialgebiete. Damit ist der ehemalige Fitnesscoach auch in anerkannten Arzt-, Physio- und Fitness-Magazinen unterwegs.

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