Vierbeiner bringen Senioren zum Strahlen

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Warum Heimtiere wahre Wunder bewirken können

Alpakas zu Besuch im Kieferngarten
Tiere zur Therapie von Senioren. Ob kleiner Vierbeiner oder große Alpakas. Tiere erreichen die Bewohner von Seniorenheimen und bringen sie zum Strahlen. (SSG Kieferngarten)

Therapiehund entlockt Senioren ein Lächeln

Therapiehund Luke und seine Besitzerin Gabi Faesler besuchen alle zwei Wochen die Bewohner des Seniorenwohnens Goldbach. In dem zur Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (SSG) gehörenden Haus leben Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen. Luke aber schafft es, mit seinen Kumpels die Bewohner aufzubauen.


Der Labrador schenkt Nähe und lenkt mit fröhlichem Schwanzwedeln von den jeweiligen Gebrechen ab. Ob Streicheln lassen, Stöckchen holen oder einfach nur den Kopf in den Schoss eines Bewohners legen – der Vierbeiner macht alles mit. Vor allem aber hat er, anders als viele Menschen, keinerlei Vorurteile. Nicht nur für die Bewohner ist Luke ein Freudengarant, auch Pflege- und Betreuungskräfte freuen sich alle 14 Tage auf das Fellknäuel.


Mit Luke kommt Leben“, weiß Einrichtungsleiterin Sonja
Roth. Ein Patient der halb-offenen Station blühe regelrecht auf, wenn Luke ins Zimmer tapst. Der 53-Jährige leidet an Aphasie, einer Schädigung der linken Hirnhälfte, die das Sprachzentrum betrifft. „Er ist die meiste Zeit in sich gekehrt“, erklärt Roth, spreche und reagiere kaum. Doch leckt Luke mit seiner rauen Zunge über die Hand des Mannes, strahlt dieser übers ganze Gesicht. „Er kommt total aus sich heraus und ist einfach glücklich“, freut sich Roth.

Hund, Fische, Vögel: Für jeden etwas dabei

Auch das Seniorenwohnen Küpfeling in Rosenheim, ebenfalls eine von 26 SSG-Einrichtungen in Bayern, setzt auf die stimmungsaufhellende Wirkung von Vierbeinern und Kleintieren. Zum Team gehören die Katzen Lilly und Leila, der Schäferhund-Collie-Mischling Lupa, sowie Kora und Nora – die Nymphen-Sittichee Nymphen-Sittiche. Zusätzlich sorgt ein Aquarium mit bunten Süßwasserfischen für entspannte Atmosphäre.

Ralf Schwärz organisiert die soziale Betreuung in Rosenheim. Er hat gute Erfahrungen mit Tieren im Heim gemacht. Besonders herzzerreißend sei die Reaktion einer alten Dame gewesen, die seit einem Schlaganfall bettlägerig ist und sich kaum noch bewegen kann.
Als Katze Lilly sich zum ersten Mal zu der 92-Jährigen ins Bett legte, begann die Bewohnerin auf einmal leise mit dem Stubentiger zu reden. Gleichzeitig streichelte sie den Vierbeiner zärtlich. „Das ist ein Wunder“, so Schwärz. Der Lebenspartner der Seniorin, der jeden Tag 15 bis 20 Kilometer
mit seiner Frau spazieren geht, ist erstaunt. Dass es noch einmal so eine positive Veränderung gibt, habe er sich nicht vorstellen können.

Neue Aufgaben für Pflegebedürftige

Heimbewohner und Mitarbeiter versorgen die Tiere gemeinsam. „Die Bewohner blühen richtig auf, denn sie haben wieder eine Aufgabe“ erklärt der 52-Jährige, der seit acht Jahren in der sozialen Betreuung tätig ist. Sei es das Spazieren gehen mit Mischling Lupa, das Füttern der Katzen oder einfach nur das Beobachten der Fische. Jeder Bewohner erfreut sich auf seine Art an den Geschöpfen. Alle Tiere außer der Mischlingshund gehören dem Heim und verbringen ihre Zeit ausschließlich dort. „Bis auf Lupa. Die haben wir seit einem halben Jahr.

Die Wohnbereichsleitung und Hundererfahrene Martina Czerny hat sie aus Rumänien mitgebracht und erzieht den jungen Hund nun“, sagt Schwärz. Die Tiere sind im ständigen Kontakt mit den Bewohnern, außer zu den Essenszeiten. Ein Tierarzt überwacht die Gesundheit der tierischen Mitbewohner, während Mitarbeiter eines ortsansässigen Zoogeschäfts regelmäßig das Aquarium reinigen.

Alpakas erobern München

Im Münchner Pflegeheim Kieferngarten gibt es sogar ein Gehege im Garten, in dem Hühner picken und Hasen umherhoppeln. „Die Tiere haben genügend Auslauf und jeder Bewohner kann für sich entscheiden, ob und wie lange er die Tiere besuchen möchte“, zählt Annemarie Rapke-Wieser die Vorteile auf. Gleichzeitig kommen einmal im Monat Meerschweinchen, Hasen oder Alpakas in das Pflegeheim.

Tiere bringen Schwung ins Haus“, weiß die Pflegedienstleiterin. Schöne Momente gebe es viele: „Eine Bewohnerin mit Demenz erinnert sich durch Besuchskatze Lieserl an ihr längst verstorbenes Haustier“, erzählt Rapke-Wieser. Wie auch im Seniorenheim Rosenberg kümmern sich Bewohner und Pfleger gemeinsam um das Wohl der Haustiere.
Doch nicht jeder Senior mag Vierbeiner: Wer die Tiere nicht streicheln oder in der Nähe haben möchte, dürfe keineswegs gezwungen werden. „Die Mehrheit unserer Senioren freut sich aber über die Besuche und kümmert sich gern um die Tiere“, ist sich die PDL sicher, Es seien schon richtige Bindungen entstanden.

Hygienestandards nicht in Gefahr

Rechtliche Probleme gibt es eigenen Aussagen zufolge in keinem der Heime. In Rosenheim habe es kleine Auseinandersetzungen mit den Hygienebeauftragten gegeben. Hauptsächlich wegen der Tierhaare. Jedoch seien diese Bedenken unbegründet gewesen. „Jeder muss seinen Job machen. Dazu gehört es, die Sauberkeit zu hinterfragen.“, so Betreuungschef Schwärz. Wichtig sei, vorher zu wissen, ob einer der Bewohner allergisch ist. Ziehen neue Senioren ein, wird deshalb sofort ein Test durchgeführt. Im Zweifelsfall dürfen die Tiere nicht ins Zimmer der Betroffenen.


Schwärz engagiert sich persönlich für den Kontakt zwischen Mensch und Tier. „Demnächst kommt der Zirkus Krone in unser Dorf. Ich bin gerade dabei, ein Treffen mit den Bewohnern und den Zirkustieren zu arrangieren“ berichtet der ehemalige Bankkaufmann. Es sei einfach schön, der Generation Zuwendung zu schenken und die Freude der Senioren zu spüren.

Hier noch ein Video-Link zu Therapie-Hund Luke 🙂


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