Prüfkriterium Lebensqualität für Bewohner

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Qualität kann man in Managementprozessen messen

IQD-Prüfer Gregor Vogelmann (r.) inspiziert in einem Pflegeheim das Badezimmer einer Bewohnerin. Lose Haare in der Bürste würden bspw. Abzug geben. (FOTO: Pflegebibel)

Die Qualität eines Pflegeheimes lässt sich selbst für Fachleute schwer erkennen. Laien sind komplett überfordert. Das Institut für Qualitätskennzeichnung sozialer Dienstleistungen (IQD) hat sich darauf spezialisiert. Hunderte Häuser bundesweit arbeiten nach diesen Managementprozessen.

Während beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) fast alle Pflegeheime Bestnoten erreichen, können beim IQD solche Häuser durchfallen. Der Grund: Das unabhängige Institut bewertet nicht formale Prozesse, sondern erfasst die individuelle Lebensqualität der Bewohner. 264 Pflegeheime hat das 1996 im Kontext der Pflegeversicherung gegründete Institut für Qualitätskennzeichnung von sozialen Diensten (IQD) bislang bundesweit zertifiziert.

460 Prüfkriterien machen Lebenssituation objektivierbar

Hinzu kommen 610 Rezertifizierungen, nachdem die Prüfung je nur für zwei Jahre gilt. IQD-Geschäftsführer Siegfried Wolff erklärt, was den Unterschied ausmacht: „Uns interessiert zwar, ob es vor dem Haus Kurzparkplätze gibt, viel wichtiger aber ist, dass der Hausnotruf funktioniert, weil der im Ernstfall Leben rettet.“

Entsprechend bewertet und gewichtet das IQD anders. Mit 460 Prüfkriterien ist die Liste fast viermal solang wie beim MDK. Erfasst dieser nur, ob es überhaupt ein Beschwerdemanagement gibt, wollen die IQD-Prüfer wissen, wie dieses funktioniert. An der Architektur etwa interessiert primär, ob sie die Bewegungsfreiheit und Sicherheit der Bewohner unterstützt.

Prüfung dient mehr dem Verbesserungsmanagement

In Baden-Württemberg, wo bislang 90 Prozent aller Kunden zu Hause sind, hat das IQD einen Marktanteil von 18 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Hessen, Berlin, Bayern und Sachsen. Mit bis zu 5000 Euro, abhängig von der Größe des Hauses, ist die Zertifizierung nicht billig. Aber viele Auftraggeber sehen in dem Zertifizierer auch den Unternehmensberater, der Schwachstellen analysiert, Potentiale hebt und Effizienz steigert.

Denn bei bisher 1100 Vor-Ort-Terminen in 264 Häusern, verbunden mit persönlichen Visitationen bei rund 5000 Pflegebedürftigen, stoßen die Prüfer auf viele Modelle und Lösungen, die sie oft in andere Häuser übertragen. IQD-Geschäftsführer Wolff: „Im Idealfall stiften wir deutlich mehr Nutzen als das Honorar kostet.“ Das reicht von technischen Hilfsmitteln über Arbeitszeitmodelle bis hin zu Maßnahmen zur Personalgewinnung und –führung. Dass die Durchfallquote von 16 auf fünf Prozent gesunken ist, belegt, dass die Prüfungen permanente Verbesserungen auslösen.

IQD ist primär ein Berater für Heimträger

Wolff, der zuvor beim DRK-Landesverband Experte für stationäre Pflege war, und sein Vize Gregor Vogelmann, ein gelernter Krankenpfleger und langjähriger Heimleiter, werden bei ihren Audits von sieben Honorarkräften unterstützt. Diese arbeiten alle selbst in Heimen in Führungspositionen und haben deshalb hohe Branchenkompetenz. Sie verbinden die Werte, die hinter dem IQD-Siegel stehen, nämlich den Dienst am Menschen. Entsprechend gewichtet das Siegel Pflege und Hauswirtschaft besonders hoch.

Hinzu kommen detaillierte Mitarbeiter- und Bewohnerbefragungen. Und während der MDK je drei Personen in allen drei Pflegestufen befragt und untersucht, konzentriert sich das IQD auf die Pflegestufen II und III und wählt auch hier Bewohner aus, die in irgendeiner Form auffällig oder problematisch sind. So werden etwaige Schwächen deutlicher sichtbar und der Beratungsnutzen ist größer.

Wer das Siegel erhält, bekommt zu Werbezwecken eine Emaille-Plakette, die er am Haus anbringen kann, Aufkleber für Dienstfahrzeuge und das Logo für Publikationen. Das IQD hat zudem bislang 90 ambulante Dienste und 14 Tagespflegeeinrichtungen in seiner Klientel, die sich gleichfalls zertifizieren lassen, um permanent besser zu werden.

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Leonhard Fromm (Jg. 1963) ist Gründer der Pflegebibel. Der Theologe und Wirtschaftsjournalist, der sich vielfach sozial engagiert, schreibt vor allem über Management in der Pflege. Der zweifache Vater interessiert sich für Zahlen, Daten, Fakten: „Verändern kann das System nur, wer seine Spielregeln versteht.“

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