Was tun gegen Mobbing

0
1720

Wie sich Pflegekräfte gegen Intrigen wehren

Pflegekräfte und Einrichtungsleiter können einiges dagegen tun, damit Mobbing aufhört. Foto: Fotolia

Der Kleinkrieg in der Einrichtung kann böse enden. Erste Zeichen sind lange Blicke und abruptes Schweigen. Weiter geht es mit Beleidigungen und übler Nachrede. Die Pflegebibel erklärt, wie ihr gegenlenken könnt.

Dem Theaterspiel verleihen sie Würze, im Arbeitsalltag zermürben sie Menschen: Intrigen sind nur in der klassischen Literatur und bei Sonntagabendfilmen unterhaltend. Wer sie im Beruf erlebt hat, weiß, wie sich Opfer fühlen. Da landet die Lieblingstasse im Mülleimer, Kollegen kolportieren Gerüchte und irgendwann wenden sich sogar Freunde ab. Die Möglichkeiten, Kollegen auszutricksen, sind beinahe unbegrenzt.

Der typische Mobber

Einer Intrige kann jeder zum Opfer fallen. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) hat ermittelt: Elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind bereits einmal gemobbt worden. Wobei Frauen weitaus gefährdeter sind: um 75 Prozent mehr als Männer, so die Initiative, die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz angesiedelt ist. Der typische Mobber ist männlich, Vorgesetzter, zwischen 35 und 54 Jahre alt und zählt zu den langfristig Beschäftigten.

Nachteil für die gesamte Einrichtung

„Fast alle, die zur Zielscheibe von Psychoterror werden, reagieren darauf mit Demotivation, Misstrauen, Stress, Schlafstörungen und sozialem Rückzug“, bestätigt Kerstin Stengel, die beim E-Learning-Anbieter Skillsoft Einblicke in etliche Betriebe – auch aus der Gesundheitsbranche – hat. Dabei spielt die Größe der Einrichtung und Firma keine Rolle. Weil bei vielen Hintergangenen die Arbeitsleistung sinkt, im schlimmsten Fall Arbeitsausfall droht, schadet das unsoziale Verhalten in letzter Konsequenz dem Betrieb. Wegschauen hilft also nicht, wenn mehr als 43 Prozent der Betroffenen erkranken, davon die Hälfte länger als sechs Wochen.

Prävention gegen den Lästerdrang

„Um das listige Handeln erst gar nicht aufkeimen zu lassen, ist präventive Personalschulung notwendig“, meint Stengel. Ihr pflichtet Business-Coach Edmund Mettinger bei, der Finanz-, Pflege- und Gastronomie-Unternehmen im Konfliktmanagement berät. Der Schlüssel liege darin, Mitarbeiter frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren.  Weil der Bedarf danach vor allem in Krisenzeiten wächst, hat Skillsoft eigene Kurse entwickelt, in denen Pflegekräfte lernen, sich in ein Team einzubringen, Konflikte zu lösen oder ein gutes Einrichtungsklima aufzubauen.

Eventuell sogar Krankmeldungen vermeiden

Denn zehn Prozent aller Krankschreibungen gehen heute auf psychische und Verhaltensstörungen zurück, die Folge von Mobbing sein können. Deshalb rät Mettinger, erste Anzeichen nicht zu ignorieren. Immerhin zieht diese Quote einen Umsatzausfall von 3,8 Milliarden Euro bundesweit nach sich. Ursachen dafür sind schlechtes Arbeitsklima, unklare Arbeitsorganisation und Verantwortungsbereiche. „Einen erheblichen Anteil haben aber auch Neid, Konkurrenzverhalten sowie Führungsschwäche“, verdeutlicht der Coach von ita-est bei Königswinter.

„Wenn sich das Sozialverhalten der Gruppe ändert, ist das ein auffälliges Zeichen“, veranschaulicht Mettinger. Deutliche Signale sind etwa die Kollegin, die nicht mehr mit zum Mittagessen geht, der bissige Kommentar während des Meetings und, wenn ein Betroffener Team-Aufgaben auf einmal alleine erledigen muss.

7 Tipps gegen Intrigen

  1. Sich wehren. Je früher Menschen sich wehren und damit zeigen, dass sie nicht alles mit sich machen lassen, desto größer die Chance, den Konflikt im Keim zu ersticken. Der Angreifer muss merken, dass er es mit einem Gegner zu tun hat. Wer schweigt, wird schneller zum Opfer.
  2. Aussprache suchen. Ein Gespräch mit dem Gegner zu suchen, kann Missgunst und Neid dämpfen. Wichtig: Nicht persönlich angreifen. Bringt der Versuch nichts, hilft nur eine Beschwerde an höherer Stelle.
  3. Notizen machen. Ort und Zeit notieren, wann es zu einem Angriff kam. Die Beweislage sichern, um etwa vor Gericht Fakten liefern zu können.
  4. Kollegen um Hilfe bitten. Je größer die Gruppe ist, die dem Angegriffenen beisteht, desto schneller schwindet der „Mut“ des Mobbers.
  5. Probleme thematisieren. Reden tut gut. Freunde, Bekannte oder ein Arzt können helfen, mit der Situation umzugehen.
  6. Professionelle Hilfe suchen. Viele Beratungsstellen haben sich auf Mobbing spezialisiert. Im Internet gibt es Anlaufstellen und Foren. Auch der Kontakt zu einem Rechtsanwalt muss überlegt werden.
  7. Jobwechsel andenken. Rechtzeitig über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Fehlt erst einmal die Kraft, gegen Mobbing vorzugehen, fehlt auch die Energie für Bewerbungen. Auch wenn damit der Mobber sein Ziel erreicht – es geht um die eigene Gesundheit und Lebensqualität.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here