Abschiedskultur in Alzenau

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Sterbebegleitung: Niemand ist einfach weg und vergessen

Abschiedskultur: Damit Angehörige Raum für Trauer haben, braucht es im Altenheim Zeit und Hilfestellungen. (Foto: Fotolia)

Wie gehen Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung mit dem Tod um? Wie begleiteten sie Sterbende, welche Maßnahmen treffen sie, um Mitbewohner und Verwandte vorzubereiten? Jana Küttner ist Diplom-Ergotherapeutin in der Ausbildung zur Palliative Care Fachkraft. Sie arbeitet im Team Soziale Betreuung und kehrt im Seniorenwohnen Alzenau das Sterben nicht unter den Teppich. Stattdessen pflegt sie eine aktive Abschiedskultur.

Frau Küttner, was ist an einer gelebten Abschiedskultur wichtig?

Sterbende genießen bei uns Priorität, was wir den übrigen Bewohnern zeigen und diese erleichtert. Wir besuchen, wenn von beiden Seiten gewünscht, mit ihnen den Sterbenden, da viele Bewohner sich schon seit Jahren kennen. Wir nehmen gemeinsam Abschied, sprechen mit ihnen darüber. Unser Team versucht noch besser auf Wünsche des Sterbenden einzugehen. Es holt Hausärzte, Palliativmediziner, Pfarrer oder Hospizbegleiter zur Hilfe, klärt Angehörige auf und bezieht sie in die Pflege mit ein.

 

Ein Übergangskästchen hilft die Abschiedskultur zu pflegen

 

Gibt es darüber hinaus weitere Dinge, die Sie regeln oder anbieten?

Ja, die Küche etwa bereitet besondere Kost oder Wunschmenüs zu. Wir versorgen Angehörige ebenfalls mit Speisen und Getränken. Unsere Kollegen der Haustechnik gestalten Zimmer um, etwa um einen beidseitigen Zugang zum Bett zu ermöglichen. Von Spendengeldern wurde für jeden Wohnbereich ein Übergangskästchen angeschafft, welches alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einsetzen können. Es enthält sowohl weltliche als auch christliche Symbole sowie verschiedene Texte und CDs mit Entspannungsmusik.

Wie schaut es mit den Demenzbetroffenen aus?

Um die kümmern wir uns besonders intensiv. Gespräche oder gemeinsames Schweigen, basale Stimulation, Mundpflege, Gespräche mit Angehörigen, Zimmerverschönerungen sowie das Einbeziehen von Geistlichen oder Hospizbegleitern sind Teil des Konzepts. Zur individuellen Begleitung gehört es überdies, den Betreuten Ängste zu nehmen, ihnen vorzulesen, mit ihnen zu beten oder letzte Wünsche zu erfüllen.

 

Unser Team spendet Trost und gestaltet ein Trauerbuch

 

Neben Angehörigen belastet der Tod Mitarbeiter und Bewohner, was bieten Sie hier an?

Durch Gespräche, gemeinsames Abschiednehmen im Zimmer des Verstorbenen, Erinnerungsaustausch, Gebete und das Begleiten bis zum Leichenwagen versuchen wir der Trauer Raum zu geben. Es werden Kondolenzkarten geschrieben und wenn möglich an der Beerdigung teilgenommen. Zudem halten wir Trauergottesdienste ab und richten Erinnerungsecken ein. Diese zeigt den übrigen Senioren, dass niemand einfach weg und vergessen ist. Unser Team spendet Trost und gestaltet mit ihnen ein Trauerbuch. Über Trauerkarten, Kränze und Gestecke, Aussegnungen in der hauseigenen Kapelle, Traueranzeigen in der Hauszeitung und einem jährlichen Trauergottesdienst für alle im Haus Verstorbenen nehmen Pflegekräfte und Einrichtungsleiter Anteil.

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Michael Sudahl
Michael Sudahl (Jahrgang 1973) ist Pflegebibel-Initiator und greift am liebsten zu brisanten Themen in die Tasten. Der gelernter Banker, Journalist und Körpertherapeut ist seit Jahren in der Pflege unterwegs: Er berät soziale Organisationen in der Kommunikation und geht als Lebensberater und Schattenjäger den Dingen gerne auf den Grund. Michaels Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt” (Ghandi)

1 KOMMENTAR

  1. Danke für diesen Bericht liebe Jana Küttner, es steht zwischen den Zeilen so Vieles: Bereicherndes,Hilf-und Segensreiches und nicht zuletzt – die Liebe zu den Menschen.
    Es ist schön, so zu arbeiten
    Danke
    E.Wolf

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