Bürger organisieren Seniorenfahrdienst

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Bürger organisieren Seniorenfahrdienst

Seniorenfahrdienst: Ehrenamtliche holen Senioren zuhause ab und fahren sie zum Einkaufen, Friseur oder Kino. (Foto: Fotolia)

Das Beispiel des kommunalen Seniorenfahrdienstes von Schwäbisch Gmünd macht Schule: Nach dem Vorbild der Goldschmiedestadt mit ihren 70.000 Einwohnern plant nun die Arbeiterwohlfahrt diesen ehrenamtlichen Dienst auch in der Kreishauptstadt Aalen anzubieten.

Der Gmünder Seniorenfahrdienst ist rechtlich und finanziell in städtischer Trägerschaft organisiert, um Bürgern ab 60 Jahren einen Service zu bieten. Der Fahrdienst kann werktags außer samstags von 8 bis 18 Uhr genutzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass der überwiegende Teil der Nutzer das 75. Lebensjahr bereits überschritten hat.

Ehrenamtliche fahren Senioren

Eine Ehrenamtliche koordiniert von zu Hause aus die Fahrten mit einem städtischen Dienst-Handy. Unter dessen Nummer können täglich von 9 bis 11 Uhr Fahrten angemeldet werden, für die die Stadt ehrenamtliche Fahrer beauftragt. Diese fahren mit ihren eigenen Autos im Umkreis von 15 Kilometern. Die Fahrten sind über die städtische Dienstreisefahrzeugversicherung versichert.
Die Fahrer arbeiten ehrenamtlich, bekommen ihr Benzingeld aber gemäß einer gestaffelten Pauschale vergütet. Im Schnitt kostet der Kilometer den Passagier 35 Cent. Park-Ausnahmegenehmigungen des Ordnungsamtes sind möglich. Aktuell leisten 25 Freiwillige diesen Dienst.

Fahrer bauen persönliche Bindung zu Senioren auf

Zwar sind Taxi-Unternehmer in Gmünd über das Dumpingangebot nicht glücklich, akzeptieren es aber wegen des sozialen Aspektes und der spezifischen Klientel offenbar. Denn vielfach übernehmen die Fahrer auch eine Art sozialer Betreuung und bleiben auch nach der Tour auf ein Schwätzchen bei ihren Passagieren.
Die AWO in Aalen will sich an das Konzept mit ehrenamtlichen Fahrern anlehnen, möchte aber ein eigenes Fahrzeug für diesen Dienst einsetzen, das idealerweise über Sponsoren finanziert wird. Die Stadtverwaltung solle den Abmangel bezahlen, da die AWO hierfür keine Reserven habe.

Seniorenfahrdienst für mehr Selbstbestimmung

Das Modell kann aber bundesweit ein Baustein sein, um Senioren ihre Autonomie zu erhalten. So fährt auch der Autor dieser Zeilen seit sieben Jahren alle 14 Tage mit einer mittlerweile 94-Jährigen zum Einkaufen. Dabei geht es zunehmend auch darum, die Witwe beim Gehen zu stützen, ihr die gewünschte Ware im Regal zu finden oder das Procedere an der Kasse zu übernehmen. Für sie ist es ein wichtiger Baustein, nicht in ein Heim zu müssen, zumal wir meist anschließend noch in ihrer Küche gemeinsam vespern.

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