Weltalzheimertag: Tipps im Umgang mit Demenz

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Demenzkranke dort abholen, wo sie sind

Fotos helfen dementen Menschen sich zu erinnern. (Foto: Fotolia)

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, betrifft das die Familie. Die Palette an Gefühlen, die Angehörige erleben ist breit: Schmerz und Mitleid gehören ebenso dazu wie Hilflosigkeit, Ärger, Wut, Trauer und Verzweiflung. Wichtig ist es daher, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen und sich über das Krankheitsbild zu informieren. Dann kann ein Gespür dafür entwickelt werden wie die Kommunikation mit Demenzkranken gelingt. Sabine Müller, Leiterin der Demenzstation der Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) in Bernhausen, gibt fünf Tipps im Umgang mit Erkrankten:

  1. Berührt:

    Demenzerkrankte verlernen zu sprechen. Normale Gespräche werden zunächst schwierig, dann unmöglich. Wichtig ist es, sich in die Situation des Gegenübers zu versetzen. Im Gegenzug ist nonverbale Kommunikation möglich und wird immer wichtiger. Sinnlos ist es etwa, einen demenzkranken Menschen darauf hinzuweisen, dass ihm eine Frage vor zehn Minuten schon einmal beantwortet wurde. Vielmehr löst dies Angstzustände oder Frustration aus. Also: Dem Demenzkranken für die Antwort viel mehr Zeit einräumen als einem gesunden Menschen.

  2. Post-it:

    Hilfreich sind kleine Zettel mit Hinweisen zum Alltag oder mit Antworten auf Fragen, die einen Demenzkranken beschäftigen. Diese Zettel können am Kühlschrank oder am Badezimmerspiegel kleben, sodass sie sich immer wieder lesen lassen. Auch ein Familienposter hilft. Bei jedem Foto steht eine kurze Info zu den Mitgliedern, auch zu Haushaltshilfen, Pflegekräften und Haustieren.

  3. Zurück in die Vergangenheit:

    Auch wenn sich Menschen mit Alzheimer im Laufe der Zeit nicht mehr richtig orientieren können – in der Welt ihrer Erinnerungen finden sie sich oft noch lange zurecht. Angehörige kennen die Lebensgeschichte des demenzkranken Familienmitglieds am besten. Dieses Wissen hilft, den Umgang miteinander zu gestalten: Was hat der Schwiegervater früher gern unternommen? Welche Musik und welches Essen mochte der Ehepartner? Welche Fähigkeiten und Interessen zeichneten die Mutter aus? Was waren ihre Hobbies? Ebenso gemeinsames Singen und Musikhören oder ein Fotoalbum anschauen, sorgt für Entspannung und schöne Momente.

  4. Die Ruhe weg:

    Demenzkranke Menschen sind vergesslich – was das Kurzzeitgedächtnis betrifft – und manchmal unberechenbar. Das kann zum Streit führen. Es hilft, sich in den Erkrankten hinein zu fühlen. Wer nachts aufwacht und weder seinen Namen noch den Ort kennt, an dem er sich befindet, fühlt sich verloren. So kann es dem Erkrankten gehen. Beschuldigungen helfen nicht. Stattdessen: Beruhigen und Vertrauen. Besteht der Vater auf einen Skatabend mit längst verstorbenen Freunden? Nicht korrigieren, sondern auf die Freunde oder die Erinnerungen an diese eingehen. Kurz: positive Gefühle aus dem Langzeitgedächtnis aktivieren.

  5. Sinnlos, sinnvoll – egal. Haupstache Sinne:

    Den kranken Ehemann weiter Alltag erleben lassen ist gut. Einkaufen zum Beispiel. Auch wenn er oder sie dabei die Hälfte vergisst. Geliebte Gewohnheiten sorgen für Erfolgserlebnisse und gute Gefühle. Den Erkrankten für das Mitgebrachte loben, gibt ihm oder ihr Selbstvertrauen. Das mindert Frustration. Die Angestellten im Supermarkt wissen zu lassen, dass er demenzkrank ist, ist obendrein sinnvoll. Wenn dann zehn Gläser Senf im Einkaufswagen liegen, weiß die Kassiererin, dass neun davon wahrscheinlich wieder zurückkommen.

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“ hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

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