Verbannt Crocs aus der Pflege

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Pflegekräfte, die das falsche Schuhwerk tragen, riskieren Langzeitschäden

Wer über Fußschmerzen, Knie- oder Rückenschmerzen klagt, sollte über das Schuwerk nachdenken (Foto: Fotolia)

Für die Einen sind sie eine Modesünde. Für die Anderen das bequemste Schuhwerk aller Zeiten: Croc-Schuhe sind bei Pflegekräften sehr beliebt. Experten sagen: Die bunten Kunststoffpantoletten sind als Arbeitsschuhe ungeeignet.

Der richtige Schuh ist entscheidend

Pflegekräfte laufen in einer Schicht mehrere Kilometer Wegstrecke. Wer dabei schlechte Schuhe trägt, riskiert schmerzende Füße, Krampfadern oder Rückenbeschwerden. Logisch, dass sich viele Pflegende für bequemes Schuhwerk entscheiden und mit Schichtbeginn etwa in ihre Crocs schlüpfen. Die Plastik-Schlappen bieten positive Eigenschaften: Sie sind robust und lassen sich leicht abwaschen. Das verwendete Material PCCR (Proprietary closed-cell resin) macht die Schuhe weniger geruchsanfällig als andere Kunststoffschuhe und das Fußbett aus Schaumharz passt sich der Fußform an, wenn es sich erwärmt.

Crocs: Bequeme Treter mit Risiken

Doch Experten warnen vor den bunten Plastik-Tretern. „Wie bei Flipflops kann der Fuß auch bei Crocs nicht richtig abrollen“, erklärt Thomas Schneider. Der promovierte Orthopäde für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen weist auf mögliche Folgeschäden hin: Hüfte, Knie und Rücken werden durch das falsche Abrollen in Mitleidenschaft gezogen. Wer die Schlappen regelmäßig trägt, riskiert, sein gesamtes Gangbild zu verändern, fasst der Experte zusammen.

Gesundheitlich bedenklich sei auch die starke Dämpfung der Crocs. „Da eine natürliche Stoßdämpfung durch die physiologische Abrollbewegung verhindert wird, verstärkt sich die Stoßbelastung für Knie und Hüfte.“ Der sehr weiche Auftrittspunkt der Zehen begünstigt eine Verbreiterung des Fußes, könne also zu einem sogenannten Spreizfuß führen.

Die Berufsgenossenschaft rät ebenfalls davon ab, die Kunststoffpantoletten in der Pflege zu tragen. Aufgrund ihres breiten Schnitts und des offenen Fersenbereichs böten Crocs trotz der angebrachten Riemen keinen ausreichenden Halt. Selbiges gilt für die ebenfalls beliebten Birkenstock-Sandalen. Dadurch erhöhe sich das Risiko zu stolpern, auszurutschen oder zu stürzen. Solche Unfälle können zu ernsthaften Verletzungen wie Frakturen, Bänderverletzungen oder Zerrungen führen. Auch Therapieschuhe mit Barfußtechnik bieten im Arbeitsalltag zu wenig Standsicherheit. Das liegt an deren spezieller Sohle, die nicht komplett am Boden aufliegt, sondern im Querschnitt einer Wiege ähnelt.

Schutz an erster Stelle

Bei der Wahl des richtigen Schuhwerks geht es um Selbstschutz und das körperliche Wohlbefinden der Pflegenden. Rechtlich dürfen Chefs dem Pflegepersonal dennoch verbieten, Crocs oder Birkenstock-Latschen in der Pflege zu tragen. Gegen Crocs in der Pflege sprechen beispielsweise die Löcher in der Schuhspitze: Laut Berufsgenossenschaft bieten die Schuhe keinen ausreichenden Schutz vor herabfallenden Gegenständen oder Flüssigkeiten.

Die Alternative müssen deshalb nicht Schuhe vom Fachhandel für Arbeitskleidung sein. Gute Schuhe sind Allroundtalente. Viele Sport-, Freizeit- oder Aktivschuhe genügen den Anforderungen, um in der Pflege gesund und sicher zu arbeiten.

Auf sechs Dinge sollten Pflegekräfte achten, wenn sie Schuhe kaufen:

Das Material

Schuhe aus Leder oder festen Kunstfasern: Das robuste Oberflächenmaterial schützt den Fuß vor Verletzungen durch herabfallende spitze Gegenstände. Trotzdem muss der Schuh bequem bleiben und die Pflegekraft beweglich. Das Material darf daher nicht zu steif sein. In dieser Hinsicht kann Leder punkten: Es ist besonders strapazierfähig, passt sich der Fußform an und beugt damit Druckstellen vor. Darüber hinaus ist Leder atmungsaktiv.

Die Beschaffenheit

Der Schuh sollte gut passen, rundum geschlossen sein und bis kurz unter den Knöchel reichen. Die geschlossene Schuhspitze schützt Zehen und Vorderfuß vor Verletzungen. Etwa wenn der übermotivierte Kollege Betten oder Rollstühle ohne Rücksicht auf fremde Füße durch die Gänge schiebt. Die geschlossene Fersenkappe gibt dem Fuß Halt. Dadurch reduziert sich das Risiko, bei Drehbewegungen oder Gewichtsverlagerungen umzuknicken, wie zum Beispiel beim Umlagern.

Die Standhaftigkeit

Körperbalance ist wichtig, da Pflegekräfte oft die Bewegungsrichtung wechseln. Beispielsweise beim Bettenschieben oder Patiententransfer. Absätze oder schaukelnde Sohlen erhöhen bei solchen Aufgaben das Sturzrisiko, die Wirbelsäule wird fehlbelastet und die Wadenmuskulatur ermüdet. Deshalb sind flache Schuhe in der Pflege zu empfehlen.

Die Sohle

Eine Sohle mit größerem Profil wirkt rutschhemmend und greift gut auf nassen oder schmutzigen Böden.

Das Auslüften von Schuhen

Zwei Paar sind besser als ein Paar: Schuhe brauchen etwa einen Tag, um richtig auszulüften. Deshalb sollten Pflegekräfte zwei Paar Schuhe im Wechsel tragen.

Der Verschleiß

Auch die besten Schuhe verschleißen im Alltag. Pflegekräfte sollten daher alle sechs Monate prüfen, ob ihre Schuhe noch in Ordnung sind. Ein neues Paar ist beispielsweise fällig, wenn die Sohle nicht mehr elastisch genug ist, das Obermaterial porös ist oder sich nicht mehr richtig reinigen lässt.

1 KOMMENTAR

  1. Ich sehe es genauso. Crocs bieten keine Sicherheit. Allergieauslösende Stoffe sind in den Dingern drinnen! Ich habe ausschließlich Lederschuhe getragen. Bin gut damit gelaufen.

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