Was tun gegen Mobbing

0
4396

Wie sich Pflegende richtig wehren

Pflegende können einiges gegen Mobbing unternehmen. (Bild: pixabay.com)

Der Kleinkrieg in der Einrichtung kann böse enden. Erste Zeichen sind lange Blicke und abruptes Schweigen. Weiter geht es mit Beleidigungen und übler Nachrede. Doch es gibt Mittel und Wege, sich zu wehren. 

Werbung


Intrigen verleihen jedem klassischen Theaterstück die nötige Würze, doch im Arbeitsalltag zermürben sie Menschen. Wer selbst derartiges im Beruf erlebt hat, weiß wie sich Opfer fühlen. Da landet die Lieblingstasse im Mülleimer, Kollegen verbreiten Gerüchte und irgendwann wenden sich sogar Freunde ab. Der Einfallsreichtum der Mobber scheint nahezu unbegrenzt.

Der typische Mobber

Einer Intrige kann jeder zum Opfer fallen. Die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz angesiedelte “Initiative Neue Qualität der Arbeit” (INQA) hat bereits vor einigen Jahren ermittelt, dass rund elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland bereits von Mobbing betroffen waren. Frauen sind dabei deutlich gefährdeter, als Männer. Der typische Mobber ist demnach ein männlicher Vorgesetzter zwischen 35 und 54 Jahren, der zur Stammbelegschaft zählt.

Mobbing schadet der gesamten Einrichtung

„Fast alle, die zur Zielscheibe von Psychoterror werden, reagieren darauf mit Demotivation, Misstrauen, Stress, Schlafstörungen und sozialem Rückzug“, bestätigt Kerstin Stengel, die beim E-Learning-Anbieter Skillsoft Einblicke in etliche Betriebe – auch aus der Gesundheitsbranche – hat. Dabei spielt die Größe der Einrichtung und Firma keine Rolle. Weil bei vielen Hintergangenen die Arbeitsleistung sinkt, im schlimmsten Fall Arbeitsausfall droht, schadet das unsoziale Verhalten in letzter Konsequenz dem Betrieb. Wegschauen hilft also nicht, wenn mehr als 43 Prozent der Betroffenen erkranken, davon die Hälfte länger als sechs Wochen.

Dem Lästerdrang vorbeugen

Werbung


„Um das listige Handeln erst gar nicht aufkeimen zu lassen, ist präventive Personalschulung notwendig“, meint Stengel. Ihr pflichtet Business-Coach Edmund Mettinger bei, der Finanz-, Pflege- und Gastronomie-Unternehmen im Konfliktmanagement berät. Der Schlüssel liege darin, Mitarbeiter frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren.  Weil der Bedarf danach vor allem in Krisenzeiten wächst, hat Skillsoft eigene Kurse entwickelt, in denen Pflegekräfte lernen, sich in ein Team einzubringen, Konflikte zu lösen oder ein gutes Einrichtungsklima aufzubauen.

Mobbing macht krank

Denn zehn Prozent aller Krankschreibungen gehen heute auf psychische und Verhaltensstörungen zurück, die Folge von Mobbing sein können. Deshalb rät Mettinger, erste Anzeichen nicht zu ignorieren. Immerhin zieht diese Quote einen Umsatzausfall von 3,8 Milliarden Euro bundesweit nach sich. Ursachen dafür sind schlechtes Arbeitsklima, unklare Arbeitsorganisation und Verantwortungsbereiche. „Einen erheblichen Anteil haben aber auch Neid, Konkurrenzverhalten sowie Führungsschwäche“, verdeutlicht der Coach von ita-est bei Königswinter.

„Wenn sich das Sozialverhalten der Gruppe ändert, ist das ein auffälliges Zeichen“, veranschaulicht Mettinger. Deutliche Signale sind etwa die Kollegin, die nicht mehr mit zum Mittagessen geht, der bissige Kommentar während des Meetings und, wenn ein Betroffener Team-Aufgaben auf einmal alleine erledigen muss.

7 Tipps gegen Intrigen

Werbung

1. Sich wehren

Je früher Menschen sich wehren und damit zeigen, dass sie nicht alles mit sich machen lassen, desto größer die Chance, den Konflikt im Keim zu ersticken. Der Angreifer muss merken, dass er es mit einem Gegner zu tun hat. Wer schweigt, wird schneller zum Opfer.

2. Aussprache suchen

Ein Gespräch mit dem Gegner zu suchen, kann Missgunst und Neid dämpfen. Wichtig: Nicht persönlich angreifen. Bringt der Versuch nichts, hilft nur eine Beschwerde an höherer Stelle.

3. Notizen machen

Ort und Zeit notieren, wann es zu einem Angriff kam. Die Beweislage sichern, um etwa vor Gericht Fakten liefern zu können.

4. Kollegen um Hilfe bitten

Je größer die Gruppe ist, die dem Angegriffenen beisteht, desto schneller schwindet der „Mut“ des Mobbers.

5. Probleme thematisieren

Reden tut gut. Freunde, Bekannte oder ein Arzt können helfen, mit der Situation umzugehen.

6. Professionelle Hilfe suchen

Viele Beratungsstellen haben sich auf Mobbing spezialisiert. Im Internet gibt es Anlaufstellen und Foren. Auch der Kontakt zu einem Rechtsanwalt muss überlegt werden.

7. Jobwechsel andenken

Rechtzeitig über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Fehlt erst einmal die Kraft, gegen Mobbing vorzugehen, fehlt auch die Energie für Bewerbungen. Auch wenn damit der Mobber sein Ziel erreicht – es geht um die eigene Gesundheit und Lebensqualität.

Werbung