Advent im Pflegeheim: So wird’s weihnachtlich

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Fünf Tipps für einen stimmungsvollen Dezember

Gemeinsam singen, dekorieren und schlemmen: So hält der Advent ins Pflegeheim Einzug (Foto: Maria-Martha-Stift Lindau)

Das Haus ist festlich dekoriert, es duftet nach Kerzenwachs, Plätzchen und Tannengrün. Der Advent ist besonders – auch für Pflegeheimbewohner. Heimleiterin Anke Franke gibt Tipps für eine besinnliche Vorweihnachtszeit.

  1. Bewohner dekorieren selbst

Beim Schmücken kommt Weihnachtsstimmung auf. Kaum halten wir den ersten Tannenzweig in der Hand, summen wir Ihr Kinderlein kommet und träumen von vergangenen Festtagen. „Diese Rituale dürfen im Pflegeheim nicht fehlen“, findet Anke Franke, Einrichtungsleiterin im Lindauer Maria-Martha-Stift. Deshalb gilt am Bodensee: Bewohner jedes Wohnbereichs basteln ihre Deko selbst. „Eine Schleife binden, Tannennadeln auf der Haut spüren und Fensterbilder ausschneiden weckt Erinnerungen“, so Franke. Ein 89-Jähriger erzähle etwa, dass die Kugeln am heimischen Christbaum stets silbern glänzten. Die Dame gegenüber erinnert sich, an ihr erstes Püppchen mit blonden Zöpfen. Franke rät: „Lassen Sie die Senioren mitgestalten.“ Warum nicht abstimmen, ob rote oder goldene Kerzen am Adventskranz brennen sollen. Als Richtlinie gelte: Orientieren Sie sich an den Festvorbereitungen Zuhause. Je ähnlicher die Abläufe, umso besser.

  1. Gemeinsam Weihnachtslieder singen

Nicht nur Plätzchen und Kerzenschein machen dunkle Tage gemütlich. „Vor allem Musik öffnet die Herzen“, so Franke. Der Königsweg gewinnt zur Weihnachtszeit an Kraft. „Selbst Demenzkranke, die sonst kaum kommunizieren, singen Vom Himmel hoch mit“, erzählt die 46-Jährige. Zudem beruhigen bekannte Melodien manch umtriebigen Senior.

„Für die Generation der 70 bis 90-Jährigen gehörte Singen unterm Christbaum zu jedem Weihnachtsfest“, erklärt Franke.

Um unter anderem diese Tradition im Heimalltag fortzusetzen, finanzierte das Haus einen Gitarrenkurs für Mitarbeiter. Mit Erfolg: „Seitdem greifen Pflegekräfte oft spontan zum Instrument.“ Eines der Dezember-Highlights sei außerdem der Besuch von Musikschülern. Jungen und Mädchen zwischen sechs und zwölf ziehen dann durch die Wohnbereiche und spielen auf verschiedenen Instrumenten Macht hoch die Tür, Alle Jahre wieder und Oh Tannenbaum. „Darauf freuen sich die Bewohner schon Tage vorher.“

  1. Haus für Kinder öffnen

Nicht nur an Weihnachten gilt: Pflegebedürftige müssen nicht unter sich bleiben. „Kontakte zu anderen Generationen sind ein Schatz für Groß und Klein“, weiß Franke. Jedes Jahr verteilen Kindergarten-Kids in Lindau Nikolaussäckchen. Gleichzeitig bringen sie Vorfreude mit. Franke gibt ein Beispiel:

„Wenn der fünfjährige Max begeistert erzählt, wie er mit Papa den Weihnachtsbaum ausgesucht hat, kann sich keiner ein Schmunzeln verkneifen.“

Die Unbeschwertheit und die Energie der Kleinen wirke ansteckend. Während und nach solchen Besuchen seien die Rentner aktiver und ausgeglichener.

„Also scheuen Sie sich nicht Kinder und Jugendliche einzuladen, auch wenn es kurzzeitig etwas turbulenter zugeht“, rät die Expertin.

Galerie: Weihnachten im Maria-Martha-Stift

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  1. Advent aktiv feiern

Seit mehreren Jahren gestalten das 60-köpfiges Stiftsteam und Ehrenamtliche Adventsfeiern. Sonntags richten sie gemeinsam den Andachtsraum her. Bis er aussieht wie ein Café. Es gibt Stollen, Kaffee und Plätzchen. Örtliche Künstlergruppen, etwa Ballettmädels oder der Gospelchor sorgen mit Auftritten für „Ahs“ und „Ohs“. Senioren, Pflegepersonal und Ehrenamtliche schlemmen und singen gemeinsam oder erzählen einander aus ihren Leben. „Es ergeben sich Gespräche zwischen Pflegebedürftigen, die bisher nichts miteinander zu tun hatten“, so Franke. Die Heimleiterin empfiehlt, gezielt von der üblichen Sitzordnung abzuweichen: „Das bringt Abwechslung und manches Mal entstehen neue Beziehungen.“

  1. Bewohnerweihnacht erst spät im Dezember

Den Höhepunkt der Vorweihnachtszeit markiert die Bewohnerweihnachtsfeier. „Diese sollte so nah an Heilig Abend wie möglich stattfinden“, ist sich Franke sicher. Ihr Argument: Die Spannung steigt den Monat über an. Ältere Damen und Herren haben genügend Zeit sich einzustimmen. „Und sich zu überlegen, was sie anziehen möchten“, schmunzelt die Koordinatorin. Die Lindauer feiern am 22. Dezember. Auch Angehörige sind eingeladen. Um 17 Uhr treffen sich alle im festlich geschmückten Aufenthaltsraum.

„Wie Zuhause erstrahlt der Tannenbaum dann zum ersten Mal“, berichtet Franke.

Auf jedem Tisch steht eine Menükarten, die das Drei-Gänge-Menü ankündigt. Letztes Jahr etwa, trug das Küchenteam eine riesige Eistorte in den Saal: „Mit Wunderkerzen, wie auf einem Kreuzfahrtschiff.“ Neben der Kulinarik sei das Abendprogramm wichtig. Sowohl Bewohner als auch Heimpersonal sollten mitgestalten dürfen. Das könne eine Querflöten-Darbietung sein oder das Vortragen eines Gedichts. Frankes Leitsatz: „Wenn Sie bedenkenlos Ihre Familie zur Bewohnerweihnacht einladen würden, wird der Abend ein Erfolg.“

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“ hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

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