Aus dem Leben eines Admin

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Die Gruppe Altenpflege auf Facebook

Fotocollage
(Bild: pixabay.com)

Bis zu sechs Stunden verbringt er täglich auf Facebook, liest unzählige Kommentare und steht anderen mit Rat und Tat zur Seite. Doch internetsüchtig ist Sven Joosten nicht. Er ist einer von zwei Admins der größten deutschsprachigen Pflegegruppe auf Facebook, die sich schlicht Altenpflege nennt. Hier haben rund 60.000 Pflegende eine virtuelle Heimat gefunden.

Eine Potpourri der Pflege

Der Name ist irreführend, denn längst ist die Altenpflege nicht mehr unter sich. Eine bunte Mischung von Pflegekräften tummelt sich in der Gruppe. Sven Joosten war lange eines dieser Mitglieder. Dann kam Gruppengründerin Mediha Sögüt und fragte, ob er sie unterstützen wolle. „Da ich in den 1:1 Nachtdiensten häufig Leerlauf habe, kam ich dem Wunsch gerne nach“, erzählt Joosten. Auf diese Weise kann er nun die Themen in der Gruppe steuern und pflegepolitische Inhalte in den Vordergrund stellen. Der zeitliche Aufwand sei dabei sehr unterschiedlich. „In ruhigen Diensten kommen schon mal vier bis sechs Stunden zusammen“, so der Admin.

Mediha Sögüt
Mediha Sögüt (Bild: Privat)

Zwei, die sich blind verstehen

Im Gegensatz zu ihm arbeitet Gründerin Sögüt eher im Hintergrund. Sie selektiert Mitgliedsanfragen, schaltet Beiträge frei, liest still mit und reagiert auf Verstöße gegen die Gruppenregeln. „Im Grunde macht sie die Hauptarbeit, auch wenn das nach außen maximal anders wirkt. Wir verstehen uns blind und sind in der Lage unabhängig zu agieren“, beschreibt Joosten die Arbeitsteilung.

Das Paarungsverhalten von Pflegekräften

Arbeit gibt es in der Tat genug. So würden täglich unzählige Memes und Videos über tanzende Senioren als Beitrag eingereicht. Auch die Frage, warum Posts nicht freigegeben werden, wiederhole sich. „Hinzu kommen Beiträge paarungswilliger Pflegekräfte. Am außergewöhnlichsten war die Suche nach einer Dame Ü90 für Geschlechtsverkehr“, fügt Joosten lachend hinzu. Auch er habe vereinzelt schon unmoralische Angebote erhalten.

Kein Raum für rechtes Gedankengut

Ob es Beiträge gibt, die er nicht gerne freischaltet? „Schwer fällt mir, Beiträge über die Integration von Migranten in der Pflege freizugeben, da diese leider häufig ins extrem rechte Spektrum abgleiten“, sagt Joosten. Grundsätzlich greift er in solchen Fällen hart durch. Auch, wenn er dadurch selbst regelmäßig Angriffen, Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt ist. „Der Großteil begrüßt jedoch die Art und wenn nur ein einziger sein Handeln überdenkt, hat es sich gelohnt“, so Joosten.

Facebook ist kein rechtsfreier Raum

Sven Joosten
Sven Joosten (Bild: Privat)

Dass viele Facebook als rechtsfreien Raum betrachten ist nicht neu und Joosten hat sich ein dickes Fell zugelegt. Was er kürzlich erleben musste, ging aber zu weit. In einer anderen Pflegegruppe wurden Screenshots aus der Gruppe Altenpflege veröffentlicht. Er und zahlreiche Mitglieder wurden bloßgestellt und ins lächerliche gezogen. Joosten versteht Spaß und kleine Nickligkeiten gehören für ihn zur Diskussionskultur. Da diese Grenze allerdings deutlich überschritten wurde, hat er rechtliche Schritte eingeleitet.

Mehr Fachlichkeit und Sachlichkeit

Ob es etwas gibt, das er sich in Zukunft für die Gruppe wünscht? „Ich wäre froh, wenn es fachlicher und sachlicher werden würde. Und wenn mehr auf die bereits vorhandenen Kommentare eingegangen würde, statt stur seine Meinung zu vertreten“, erklärt Joosten. Vielleicht können er und Mediha Sögüt dann auch öfter mal eine Verschnaufpause einlegen.

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Christian Hübner hat die integrative Pflegeausbildung nach dem Stuttgarter Modell© absolviert. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger und Altenpfleger, arbeitet aktuell in der Behindertenhilfe und studiert berufsbegleitend Pflegewissenschaft an der Universität Witten-Herdecke.

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