Uli & die Demenz: Ein Demenz-Tipp für jede Woche

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Wie Sie in fünf Wochen Ihre Kommunikation um 100 Prozent verbessern

Daumen hoch
Bild: pixabay.com

„Du verstehst mich nicht.“ Hilde schaut ihren dementen Partner an und schüttelt den Kopf. Was kann Hilde besser machen? Weil manchmal weniger mehr ist, gebe ich jetzt nicht hundert Tipps zum sofortigen Umsetzen. Sondern fünf Tipps. Nehmen Sie sich für jeden eine Woche Zeit und üben ihn immer wieder ein.

Erste Woche: Sich vorstellen

Stellen Sie sich immer wieder mit Namen vor. Als Pflegekraft zum Beispiel immer am Anfang der Schicht. Als Angehöriger, wenn Sie längere Zeit weg waren. Sie können Ihren Namen in einen Satz einbauen: „Hallo Herr Biermann. Ich bin der Uli. Jetzt bin ich wieder für Sie da.“

Zweite Woche: Die richtige Anrede wählen

Wie haben Sie Ihr Leben lang mit Ihrem Angehörigen gesprochen? Wählen Sie das du, wenn er das gewöhnt ist. Wenn Sie ihn als Pflegekraft betreuen, bleiben Sie auf einer professionellen, aber freundlichen Distanz und sprechen Ihr Gegenüber per „Sie“ an. Besonders dann, wenn das von Ihrem Arbeitgeber so vorgegeben wird.

Dritte Woche: Die Grenzen als Person einhalten

„Wir gehen jetzt aufs Klo“, sagte eine Altenpflegerin. „Wieso?“, fragte die Bewohnerin zurück. Mußt du auch?“ Dieses lustige Erlebnis aus meinem Pflegealltag zeigt: Es macht Sinn, dass sprachliche Grenzen eingehalten werden. Sagen Sie „ich“, wenn Sie sich meinen. Meinen Sie Ihr Gegenüber, sagen Sie „Sie“ oder „du“. Besser wäre also: „Ich gehe jetzt mit Ihnen auf die Toilette.“

Vierte Woche: Positiv formulieren

Ein unglücklicher Satz, wenn einer dementen Person der Teller auf den Boden fällt, ist: „Sie haben den Teller kaputt gemacht. Können Sie nicht besser aufpassen?“ Der Betroffene kann nichts dafür. Daher ist besser: „Schauen Sie. Hier habe ich Ihnen einen neuen Teller. Möchten Sie nochmal Nudeln und Soße?“ Und solange er isst, können Sie den kaputten Teller samt Speiseresten zusammen kehren. Ohne es zu thematisieren.

Fünfte Woche: Auf die eigene Atmung achten

Häufig will man zu viel auf einmal sagen. Manchmal fehlt es auch an Stimmkraft. Abhilfe schafft hier die richtige Atemtechnik. Atmen Sie tief durch. Achten Sie darauf, dass Sie genügend Luft zum Sprechen haben. Machen Sie Atempausen zwischen mehreren kleinen Sätzen. Dadurch hängt Ihr letzter Satz noch etwas in der Luft und wirkt nach.

Wichtig ist, nicht alle Tipps auf einmal umzusetzen. Sondern Schritt für Schritt. Zum Beispiel so, wie hier angeregt – jede Woche einen.

Die Tipps in dieser Kolumne stammen aus dem Buch „Richtig sprechen mit dementen Menschen“ von Friederike Leuthe (Woche 1: Seite 78, Woche 2: Seite 81, Woche 3: Seite 93, Woche 4: Seite 122, Woche 5: Seite 75). Die praktischen Beispiele stammen in verfremdeter Form aus meinem eigenen Alltag.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Zeller,

    meine Mutter lebt seit Januar in einer Demenz-abWG. Dies war mich ein Grund mich mit Demenz intensiver zu beschäftigen. Ihre Tipps sind für mich sehr hilfreich, um mein Verhalten zu reflektieren. Als Mietergremiumsprecher habe ich vor, einige Geschichten aus dem Buch “Frau Lehmann sucht den Schneemann” bei unseren regelmäßigen Wohngemeinschaftsrunden vorzulesen und zu gestalten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kurt Zollhöfer

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