Buchtipp: Wer pflegt, muss sich pflegen

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Ein Buch, das nachwirkt

Erich Schützendorf: “Wer pflegt, muss sich pflegen” (Bild: Springer)

Den Namen Erich Schützendorf hatte ich zuvor im Zusammenhang mit provokativen Buchtiteln gehört. Etwa: „In Ruhe verrückt werden dürfen“ oder „Das Recht der Alten auf Eigensinn“. Bei einem Demenz-Kongress bei uns in der Stadt hatte ich dann den Auftrag von der Lokalzeitung, einen Bericht über einen Vortrag Schützendorfs zu schreiben. Ich erwartete einen Redner, der Dinge maßlos überspitzt und mit seinen Äußerungen auch mal über das Ziel hinaus schießt.

Eine Überraschung

Dann war ich aber überrascht, als ich dem Referenten begegnete. Es handelte sich um einen Herrn, der gleichzeitig lieb, ruhig und ausgeglichen wirkte. Ein Mann, der bei sich selbst war. Keiner, der vorschnelle Antworten parat hat. Eher einer, der gut zuhört. Und gleichzeitig einer, der das Leben und die Menschen liebt, echtes Interesse an seinen Mitmenschen zeigt und besorgt um sie ist.

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Mit dieser Begegnung im Hinterkopf habe ich nun sein Buch „Wer pflegt, muss sich pflegen“ gelesen. Gut gefällt mir, dass es dem Autor gar nicht zuerst darum zu gehen scheint, kleine kluge Tipps zu geben, mit denen man ein bisschen was verändern kann. Vielmehr steckt er mich mit seiner Lebensbejahung und seiner positiven Einstellung an, die er gegenüber den Menschen hat.

Konstruktive Vorschläge

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Zwar hält er mir auch einen Spiegel vor Augen – und ich finde mich in seinen Beispielen wieder. Zum Beispiel, wenn er von einer Pflegekraft mit Zeitknappheit schreibt. Diese Schwester findet aber trotzdem die Zeit, über die fehlende Zeit zu klagen. Welcher Pflegende hat so eine Situation nicht auch schon mal erlebt? Aber wenn der Autor solche Beispiele bringt, tut er dies nie moralisierend oder wertend. Er verurteilt niemanden. Viel mehr macht er konstruktive Vorschläge, die für Pflegende und Bewohner das Leben schöner machen. So rät er etwa, solche Oasen im Alltag bewusst wahrzunehmen und zur Entspannung zu nutzen.

Mein Fazit

Mir gefällt an diesem Buch, dass es tiefgehend ist und nicht nur billige Antworten bereithält. Gleichzeitig wirkt es nachhaltig und bringt konkrete Tipps, die mir wirklich helfen. Ich werde mit diesem Buch noch viel Freude haben und werde es auch immer wieder in meine Kolumnen auf der Pflegebibel einfließen lassen.

Schützendorfs Ratgeber ist mir zu einem wertvollen Begleiter geworden. Ich ziehe ihn immer wieder einmal aus dem Regal, blättere darin und nehme konkrete Impulse in mein (Arbeits-)Leben.

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