Uli & die Demenz: Schwester Sandra und die Bäckerin

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Altenpflege – wichtiger als so Mancher denkt…

Brezel
Ob bayrische Brezn oder schwäbische Brezel: Hauptsache lecker. (Bild:

Sandra hat ihren Traumberuf gelernt. Sie ist Altenpflegerin. Bereits Sandras Mutter arbeitete in der Pflege. Und Sandra konnte sich nie etwas Schöneres vorstellen. Voller Enthusiasmus hilft sie bei der Grundpflege. Sie verbindet Wunden und organisiert Termine beim Arzt oder im Krankenhaus. Damals, als sie der Bäckerin in ihrer Straße erzählt hat, dass sie Altenpflegerin werden will, schüttelte diese den Kopf – und sagte: „Altenpflegerin? Aber Mädchen! Du hast doch Abitur. Findest du nichst Besseres?“ Was die Leute über Sandra denken, interessiert die Altenpflegerin nicht so sehr. Ihr Beruf ist für sie Berufung. Sie geht ihm voller Leidenschaft nach. Sandra richtet Medikamente, hilft beim Essen und lagert Ihre Schützlinge bequem ins Bett.

Man trifft sich immer zweimal im Leben

Inzwischen ist die Brezelverkäuferin aus Sandras Straße auch ein paar Jahre älter geworden. Sie kann sich nicht mehr so gut an Dinge aus der Vergangenheit erinnern. Sie erkennt sich selbst, ihren Mann und auch Sandra nicht mehr. Sie lebt in einem Pflegeheim. Aber nicht irgendwo. Sondern ausgerechnet in dem Pflegeheim, in dem Sandra arbeitet. Schwester Sandra hat die alte Bäckersfrau ins Herz geschlossen. Gerne hilft sie ihr bei ihren täglichen Verrichtungen. Sie kämmt die alte Bäckerin, cremt sie ein und hört ihr zu. Und heute erzählt Sandra mit einem Lächeln und ohne jede Verbitterung von der Begegnung von damals. Denn sie kann darüber stehen. Inzwischen ist sie etwas geworden. Sie validiert und zentriert – und wurde zur Expertin in Basaler Stimulation und Kinästhetik. Sandra möchte natürlich nicht, dass ihr richtiger Name oder der Name der alten Dame (die in Wirklichkeit einem anderen Beruf nachgegangen ist) öffentlich wird.

Systemrelevant auch ohne Corona

Die alte Bäckerin würde inzwischen möglicherweise nicht mehr den Kopf schütteln, wenn Schwester Sandra ihr von ihrem Traumberuf erzählt. Vielleicht würde sie anerkennend nicken und sagen: „Altenpflegerin? Aha. Ein systemrelevanter Beruf!“ Und eventuell wäre sie auch ganz ohne Corona zu diesem Sinneswandel gekommen.

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