Uli & die Demenz: Lasst mich leben!

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Ein bestürzendes Urteil

Immer wieder sorgen Gerichtsurteile zur Sterbehilfe für Diskussionen (Bild: pixabay.com)

Mit Bestürzung habe ich von einem Gerichtsurteil in den Niederlanden gelesen. Das Gericht erlaubt es, Menschen mit Demenz zu töten.

„Aktive Sterbehilfe“, „Euthanasie“ oder „töten“?

Ich habe erst davor zurück geschreckt, hier den Begriff „töten“ zu verwenden. „Aktive Sterbehilfe“ hört sich schließlich harmloser an. Und „Euthanasie“ (vom Griechischen her kommend „der schöne Tod“) hätte eine schönere Wortbedeutung. Doch auch die Ärztezeitung spricht hier von Tötung. Daher scheint mir dieser Begriff doch angebracht. Denn er nennt die Fakten beim Namen.
Ich bin in einem Altenheim tätig – und arbeite seit vielen Jahren mit Menschen mit Demenz. Diese Kolumne greift Erfahrungen und Beobachtungen aus dieser Praxis auf. Ich versuche, mich in die Situation eines Menschen mit Demenz zu versetzen – und drücke es in Form von drei Wünschen aus:

Nehmt mich ernst

Nur weil ein Arzt einmal den Stempel „Demenz“ in meine Krankenakte gedrückt hat, heißt das nicht, dass ich blöd bin. Geht nicht davon aus, dass ich ein Trottel bin. Redet mit mir, nehmt mich ernst. Wißt, dass ihr mit einem Menschen zu tun habt – und nicht mit einem Fall. Ich kann mich äußern – vielleicht in Worten, vielleicht indem ich auf meine Lippen beiße oder mit den Armen zucke.

Nehmt Rücksicht auf meine Gefühle

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Bei Menschen mit Demenz werden Gefühlsäußerungen wichtiger. Aussagen des Verstandes treten eher zurück. In den Gefühlen sind Betroffene aber stark. Oft stärker als Menschen ohne Demenz. Es kann sein, dass ich in einer Demenz emotional plötzlich Lebensfreude auf einer Ebene habe, die mir ohne Demenz nie möglich war. Weil der Verstand so manche Gefühle zurück drängt. Achtet darauf. Nehmt meine Gefühle ernst.

Nehmt mir meine Schmerzen

Oft schränken Begleiterscheinungen die Lebensqualität noch mehr ein als eine Demenz. Zum Beispiel Schmerzen. Wenn ich Anzeichen von Schmerzen habe, dann nehmt mir diese bitte. Es gibt wundervolle Hilfsmittel. Vom Schmerzpflaster über Tropfen bis hin zur Schmerzpumpe. Eine Demenz ohne Schmerzen lässt sich zweifellos besser ertragen als eine Demenz mit Schmerzen.

Links zu „Schmerzen bei Demenz erkennen“:

  • https://www.gelbe-liste.de/neurologie/demenz-schmerzen-erkennen
  • https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt18_schmerz_erkennen_dalzg.pdf
  • https://www.wegweiser-demenz.de/informationen/im-krankenhaus/aufenthalt-moegliche-probleme/demenz-und-schmerz.html
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